🍀 Walter Teil I – oder – longBoarding the east

Wenn das gemähte Gras zu Silage verarbeitet wird, dann kommen die Maschinen zeitig. Mit diesem Gedanken war ich gestern eingeschlafen. Und tatsächlich, das markante und weithin zu hörende Geräusch des Häckslers startet früh. Ringsum sind aber so viele Wiesen gehauen, daß genug Zeit bleibt, gemütlich zu frühstücken und alles #leavenotrace und picobello zu verlassen, bevor die Erntekolonne näher rückt.

Ein wenig macht sich die Distanz der letzten Tage in den Beinen bemerkbar. Deshalb starten wir in gemächlichem Tempo in den Morgen. Der zeigt sich nach einem wunderbaren Sonnenaufgang gnädig. Immer wieder verhindern leichte Wolken, daß Clara zu übermütig wird. Sehr angenehm. Hinter Gastrose zeigt sich der Radweg von seiner besten Seite und sichert uneingeschränkten Fahrspaß. Einmal stoppe ich, um ein Blümchen zu fotografieren, daß sich durch eine Ritze im Asphalt gequält hat. Dort verliere ich leider unbemerkt meine Sonnenbrille. Ungeschick verlaß mich nicht! Erst in Guben, als die Sonne wieder sticht, greife ich ins leere, als ich die Brille wieder aufsetzen will. zurück? Nee. In der Innenstadt überquere ich die Grenze nach Gubin hinüber und werde nach kurzem suchen und warten ( die Läden öffnen erst 9.00 Uhr ) in einem Einkaufszentrum fündig. Die 2 Verkaufsdamen des Sportgeschäfts sind etwas verunsichert. Die eine zieht scheinbar wahllos irgendeine Brille aus dem Aufsteller und macht Daumen hoch. Ich setze das Teil auf und gucke in die Runde. Sitzt, schaut gut aus und ist nicht allzu teuer. Hinter der Theke erneut zwei Daumen hoch. Frisch bebrillt rolle ich widerstandslos über die spiegelglatten Fliesen zurück ins Freie.

Nächster Halt ( eigentlich ). Auf der Karte sah der kleine See bei Bresinchen so einladend aus. In Echt ist er umzäunt und nur für Gäste des Campingplatzes zu betreten. Ein wenig frustriert rolle ich weiter, obwohl der betörende Duft der in voller Pracht blühenden Robinie mich schnell besänftigt. Aber so kurz die Beine baumeln lassen, im kühlen Nass, das hätte was gehabt.

Nächster Halt ( jetzt wirklich ). Ratzdorf. Die Oder nimmt ihre kleine Schwester freundlich in sich auf und fortan teilen sie sich den Weg zum Meer hin. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Dreifache sogar, denn heute stehe ich hier am Ufer und freue mich mit. Ich lehne das Board neben den Rucksack und gucke eine ganze Weile den kleinen Kräuseln im Wasser, den Lichtreflexionen und den sich nach dem Wind biegenden Gräsern zu. Ja, dafür bin ich los. Keine Rekorde, kein Muß in Sicht, nur darf 🙂 .

Zwei Typen in Signalklamotten, wahrscheinlich Deichwirtschaft, lassen sich zur Mittagspause auf der Bank ganz in der Nähe nieder. Mein kurzes Nicken und „Mahlzeit“ wird freundlich erwidert.

Der Wind frischt weiter auf, aber bevor ich mich wieder dagegen stemme, kehre ich in den „Oderblick“ ein, um Kräfte zu tanken. Das Wort „Matjes“ erregt meine Aufmerksamkeit. Innen gibts eine nette Begrüßung von hinterm Tresen. Zwei Gäste, Herren in ihren geschätzten Anfangssiebzigern beginnen, während sie ihre Bocki serviert bekommen und noch bevor ich richtig zur Tür herein bin, die Fragerunde. Ich geselle mich dazu. „Ein Käffchen süß und weiß und ein Matjes bitte“. „Manche Leute fragen ernsthaft, ob der Matjes aus der Oder gefischt wurde.“ Die Kellnerin dreht sich lachend um und geht in die Küche. Sofort entsteht eine nette Plauderei. Die Beiden sind mit ihren Elektrofahrrädern im Gegenwind von Guben her gefahren und genießen die gute Wurst, bevor sie dann gleich wieder zurück müssen. „Bei gutem Wind kommt einer hier her, der hat sowas ähnliches wie du, nur mit einem rosa Segel dran. Der geht ab mit dem Ding“ gibt die Kellnerin zum Besten.  Es gesellt sich noch ein sportlich im Fahrraddress gekleideter Herr mit moderner Regenbogenlook – Sonnenbrille, Tattoo am Arm und schwäbischem Akzent.  Meine zwei Radler zahlen, machen noch ein Witzchen mit der Chefin, verabschieden sich und wünschen gute Weiterfahrt. Auch mit dem Stuttgarter komme ich ins erzählen und erfahre erstaunt, dass er schon über 80 und von der Gegend sehr angetan ist. „Da hätte ich früher drauf kommen wollen, hier mal mit dem Rad unterwegs zu sein, wunderbar!“ Er ist auch an meiner Art der Fortbewegung interessiert und wir staunen gemeinsam über die Distanz, die möglich ist. Noch mal kurz pullern, Wasser auffüllen, Hände, Knie und Gesicht kalt waschen. Dann noch, wer hätte das gedacht, ein Softeis auf die Hand, mit Handschlag vom Radler mit „Bis dann!“ verabschiedet und schon steh ich gut erholt wieder auf der Piste.

Die Deichkrone ist der höchste Punkt und der Wind bläst hart von vorn. „Pushen, pushen pushen“ mache ich mir selber gegen den Wind anschreiend Mut. Ist ja keiner da, den ich damit stören kann. Weit hinter mir sind die Silhouetten zweier Fahrradfahrer zu sehen. Man kann noch nicht abschätzen, wann sie mich einholen werden. Nach 5 Minuten sind sie immer noch so weit entfernt. Ich tippe auf 100% Beinkraft und als sie mich nach einer Ewigkeit eingeholt haben, gibt’s ein Wiedersehen mit dem Pärchen aus Bad Muskau. „Häää? Wieso bist du schon hier?“ Der Gegenwind macht uns allen mächtig zu schaffen. Wir fahren ein Stück nebeneinander her und tauschen leicht keuchend ein paar Neuigkeiten aus. Zwischendrin überholt uns der Stuttgarter, wir rufen uns noch was zu und da ist er auch schon wieder auf und davon.  Den werde ich wahrscheinlich nicht nochmal treffen, aber das „Bis bald!“ zu dem Pärchen ist dieses Mal richtig ernst gemeint, denn keiner von uns dreien bezweifelt ernsthaft, dass wir uns nochmal wieder sehen.  Langsam lösen sie sich von mir und erst, als ich anhalte um zu fotografieren, verliere ich sie aus den Augen.

Eisenhüttenstadt ( Paul van Dyk wurde hier geboren )

In einem Sportgeschäft frage ich nach nach einem Reparaturset für mein Zelt. Die freundliche, junge Frau kann mir aber leider nicht helfen. Ein Schäfer, den ich an der Stadtgrenze treffe, erklärt mir, was es mit den zwei Türmen und der Industrieruine auf sich hat und warum man den Schafen bei niedrigem Stand der Oder Trinkwasser hin bringen muß. Nämlich, weil sie im Uferschlamm stecken bleiben, bevor sie an das Flußwasser ran kommen würden. Man kann IMMER etwas lernen.

Entlang des Weges laden in unregelmäßigen Abständen Schilder zu Kaffee, Kuchen, Kaltgetränken, Übernachtung und Dusche ein. In Aurith brauche ich unbedingt eine Pause. Der Wind ist fordernd. Eine kalte Spezi und eine Dusche bitte. Das Personal ist leicht überfordert. Achso, ein Mezzo Mix! Ob das mit der Dusche klappt, muß erst mit der Leitung besprochen werden. Ist eigentlich nur für Übernachtungsgäste. Aber, nach kurzem Telefonat steht meinem Begehren nichts im Wege. Ich bekomme alles gezeigt und genieße die willkommene Erfrischung. Es dauert ein wenig länger, denn mein Duschbad ist kaputt gegangen und mein ganzer Waschbeutel klebt und duftet. Auch die Zahnbürste. Lecker! Der klägliche Rest der Flasche wird doppelt in Zip – Beutel gesperrt. Frisch gewaschen und gebürstet ordere ich noch eine Bocki, mache es mir in der Sonne gemütlich und drapiere alle nassen Dinge um mich herum zum Trocknen. Das klappt binnen Minuten. Prima! Noch ein Eis auf den Weg und weiter. Nicht viel weiter heute noch. Aber es rollt sich gut in den Nachmittag hinein und so purzeln doch noch einige Kilometer, zumal auch der Wind leicht nachlässt. Kurz entschieden gehen wir an den Fluß und ich lasse die Szenerie auf mich wirken. Drüben sitzt ein Angler. Der Handgruß ist länderübergreifend.

Friedlich ist es hier gerade und erhaben. Wie, wenn ich im Stall neben den Kühen sitze, die sich grad zum wiederkäuen nieder gelegt haben. Sie strahlen bei aller Ruhe doch diese Kraft aus, Diese Eigenschaften möchte man sich nur allzugerne für immer zu Eigen machen.  Aber wehe, wenn sie außer Rand und Band sind. Dann steht man besser nicht im Weg. Wie auch hier, wenn Hochwasser ist.

Bieskow – Finkenheerd empfängt uns idyllisch mit Brücke und Hafen am Friedrich – Wilhelm Kanal. Von der anderen Seite her wirkt der Ort jedoch ein wenig bedrängt durch Eisenbahnlinie und Bundesstraße. Es hat sich zugezogen, aber das Eiskaffee, an das ich heran rolle ist drinnen wie draußen voll besetzt. Grad macht sich eine Gruppe kichernder Mädchen, jede mit einem Eis bewaffnet, wieder auf den Weg. Wenn heute noch eins geht, dann das. Die kleine Portion, die ich ordere, kann es locker mit einer großen anderswo aufnehmen. Das motiviert zum weiter pushen. Nun kämpfe ich gegen den wieder auffrischenden Wind, den Lärm von heim und fort eilenden Vehikeln auf der direkt neben mir verlaufenden B112 und das davon zu laufen drohende Softeis. Hinter dem nächsten Ort ist endgültig die Luft raus und ich halte nun sehr ernsthaft nach einem geschützten Fleckchen im Grünen aus. Ja! Der Rucksack fällt vom Rücken. Diese bewaldete Ecke eines Maisfeldes kommt mir wie gerufen. Und schon steht das Zelt. Keine spektakuläre Aussicht heute, dafür geschützt, ruhig und auch hier wieder umgibt mich der süßlich – feine Duft der Robinienblüte. Die Natur kann echt alles besser.

Essenz des Tages: 72,3 km, 3 Eis, 1 Dusche, 0 mal auf der Nase gelegen, unglaublich oft bewusst die Freiheit genossen


Guten Morgen liebe Zuhörer.

Es ist 7.26 Uhr und wir senden live aus der Tzschetzschnower Schweiz. Der Tag verspricht, prächtig zu werden. Eine Meldung erreicht uns gerade aus dem Verkehrsbüro: Obacht vor Oberlausitzer Longboardfahrern. Sonst keine Behinderungen. Habt einen schönen Donnerstag alle zusammen. Und jetzt wieder Wunschmusik!

Ein anonymer Anrufer wünscht sich ein selten gespieltes Schelllackschätzchen aus den 80 ern.

Jetzt. Nur hier in voller Länge und zum mitschneiden.

Kassettenrecorder bereit? Finger auf dem Pausenknopf?

Bühne frei für die Papers mit „ready to fly“.

Dass ich quasi vor den Toren von Frankfurt / Oder mein Nachtlager aufgeschlagen hatte, wird mir erst jetzt bewußt, als mich nach wenigen hundert Metern in den neuen Tag die Peripherie der Stadt empfängt. Schön grün hier. Die Morgensonne scheint durch die Bäume, einige radeln stadteinwärts auf Arbeit, in die Schule oder mit ihren Sprößlingen zum Kindergarten.

Ich lasse mir gut Zeit und mache viele Bilder. Weltoffene Graffitis, tags, Baustellen, verwunschene Hinterhöfe, nervige Umleitungen, Oderpromenade. Bauarbeiter begrüßen sich zum Frühstück am Imbiss, eine Frau eilt an einer Häuserzeile entlang und verschwindet zielgerichtet durch die große Hausdurchfahrt . Ich erhasche nur einen kurzen Blick auf das weitläufige und grüne Innere. Etwas weiter draußen, natürlich gibt es schon meilenweit vorher  Warn- und Sackgassenschilder, die ich immer großzügig „übersehe“, versperrt ein großer Bagger und mehrere Haufen Dreck die Straße. Der Baggerfahrer macht grad eine fuffzehn. „Kann ich hier durch laufen, oder is grad schlecht?“. Der Mann winkt nur ab und nickt mich durch. Geschafft!

Ich bringe noch ein längeres Stück nervigen Betonpflasters laufend hinter mich. Kurz vor Lebus lädt nach flotter Abfahrt und mühsamerem Aufstieg ein Aussichtspunkt mit weitem Blick auf die Oderwiesen, den Fluß selbst und die polnische Seite zum verweilen ein. Es ist Zeit für ein Päuschen. Leider hängen dicke Wolken über uns und ich zieh mir die Windjacke über, damit ich nicht zu sehr auskühle. Minisalami und Panzerplatten verspeisend lasse ich den Blick in die Ferne schweifen oder gucke den Schwalben bei waghalsigen Flugmanövern zu. Sie jagen tief. Das heißt, der Luftdruck hat sich geändert. Gleiches bestätigt auch ein Blick an den Himmel. Heute wird es wohl Regen geben. Ich dehne die Pause so weit und gemütlich aus, wie ich es gerade noch aushalte. Noch ein Schluck, noch ein Stückchen Clifbar „Peanut butter“, eine letzte Salami. Das tut gut. Alles kann, nix muß! Als 20m hinter mir auf der Wiese aber die Silierflotte samt Häcksler, Traktoren und LKW’s anreist, wird es zu laut und es heißt zusammen packen.

Auch heute habe ich wieder teils starken Wind von vorn. Das ist nun mal so und genau, wie es der Wetterdienst voraus gesagt hat. „Pushen, pushen, pushen!“ Das Mantra von gestern hilft auch heute ein wenig. „Man kann versuchen, das ganze wertfrei zu betrachten. Alles ist gut so, wie es gerade ist.“ Danke liebe Birgit! Das versuche ich. Gepaart mit ein bisschen Sturheit werde ich auch weiter voran kommen. Es funktioniert sogar, wenn ich den Rucksack aufs Board stelle und an die Stange lehne. Die kurze Entlastung für den Rücken tut gut.

War das ein Maikäfer? Soll ich wegen dem zurückfahren? Ich tus. Ich geh ganz in die Knie, aber das reicht noch nicht. Zum Foto machen muß ich mich hinlegen. Was für eine Perspektive. Der imposante Käfer läßt sich kaum beeindrucken und zieht seiner Wege.

Endlich wird es Zeit, die Regensachen auszuprobieren. Die Wolken drohen schon lange, doch nun fallen die ersten Tropfen. Der Wind frischt weiter auf. Die Kleidung bewährt sich gut aber ich hab grad nen Hänger. Also knalle ich mich ins Gras am Deich und ruhe aus. Aus 10 Minuten werden 20 und der Regen perlt an mir ab. Nur auf dem Gesicht spüre ich die Piekser der Tropfen. Herrlich. Als der Schauer nachläßt, muß ich aber schnell wieder aus der Plastikhose raus. Besser die Waden werden durch die Wasserspritzer der Wheels gekühlt, als wenn ich komplett überhitze.

Abrupt biegt der Radweg rechts in ein Fußgängertunnel ein und wir rollen unter der Eisenbahn hindurch. Gleich darauf folgt ein Dach aus Beton. Die B1 erhebt sich hier vom Boden und eine weite Brücke spannt sich bis hinüber auf die andere Oderseite. Passend zu meiner momentanen Verfassung das tag an einem der Pfeiler….

Fragt sich nur „ready“ wofür. Oder bin ich einfach nur „totally ready“? Aber: ready or not, here I come, you can’t hide. Woher nur die Delfonics seinerzeit wußten, wie ich mich jetzt grad fühle 😉 . Na egal. Jedenfalls geht mir grad der Song durch den Kopf und ich bin eben gespannt, was noch so kommt in Küstrin. Augenscheinlich nicht viel, bis ich das Hinweisschild „Fischerhof“ erspähe. Käffchen und was kräftiges in den Bauch wird vielleicht nicht den verflixten Gegenwind abschalten, aber meine Stimmung heben und ich kann ein paar Kräfte sammeln. Kaum unters Dach gerollt geht nochmal ein Schauer nieder. Richtig entschieden. Die Bedienung empfängt mich fröhlich und ich ordere Kaffee, frischen, regionalen Räucherfisch und selbst gemachten Kartoffelsalat. „Soll ich ihnen den Fisch warm machen?“ Ich bejahe eifrig. Vom Nachbartisch her wird freundlich gegrüßt. Es ist eine Gruppe Paddler, die bei dem Wind heute direkt zum Frühstück entschieden haben, sitzen zu bleiben. Es stehen Rum, Kaffee und Eierlikör bereit, sie sind in Windjacken gehüllt und bester Laune. Trotzdem unsere Arten der Fortbewegung nicht unterschiedlicher hätten sein können, finden wir doch mindestens drei Gemeinsamkeiten. Den Wind, den Rum und den Eierlikör. Ich kenne mich nicht auf dem Fluß und mit dem Bootsport aus und staune daher nicht schlecht, als sie mir erzählen, sie hätten heute morgen in die Boote steigen und ein paar Stunden mit dem Blick flußabwärts paddeln können, danach wieder an der selben Stelle aussteigen können.

Das Mahl ist reichlich und sehr lecker. Deshalb esse ich auch alles sauber ab, obwohl eigentlich schon nichts mehr rein passt. Aber doch, der Kuchen als Nachtisch der muß noch sein. Als „Verdauerli“ reicht mir einer der Kollegen vom Nachbartisch ein Glas feinen Rum herüber und betont zugleich, ich müße den selbst gemachten Eierlikör unbedingt auch noch probieren. Ich nehme dankend an, erkläre aber lachend, es sei beim longboard fahren wichtig, die Balance noch halten zu können. Bevor es weiter geht, werden die Wasservorräte für den Abend aufgefüllt. Der Dank für Speis und Trank geht an die Bedienung, der für feine Geister und nette Konversation an den Paddlertisch. Machts gut.

Der Nachmittag gestaltet sich versöhnlich. Die Sonne kommt wieder heraus und zaubert Farbenspiele und Kontraste aus der Umgebung, als hätte sie einen Job beim Amt für Tourismusförderung und möchte mich überzeugen, daß es sich hier echt gut aushalten lässt. Doch da rennt sie offene Türen ein. Ich bin sowieso schon gefesselt von der Weite, den Wolkenbergen, sich ständig umformend, von der Ereignisarmut und der Schönheit des Flußes. Teile der Strecke führen am Deichfuß entlang. Ein guter Windschutz. Doch gegen Abend legt er sich endlich. Nahe Genschmar erinnert eine Tafel an die Umstände des Deichbaus. Ich halte kurz inne. Ein Satz berührt mich tief, denn er war damals wie heute aktuell.

„Gewehre sind heute die Parolen, das alles soll der Teufel holen!“

Meine Kräfte für heute sind aufgebraucht. Kurz noch ein Abstecher über eine der gepflasterten , teils schilfbestandenen Wellenbrecher auf den Fluß hinaus. Hier zelten? Aber nein, ich suche mir ein sehr ruhiges Stück Wiese, versteckt hinter ein paar knorrigen Weiden. Über mir schimpft zwar eine Amsel solange ich mit dem Zelt herum raschle, aber sie beruhigt sich bald. Zu K.O. ( 65 km ) um noch den Kocher zu bemühen, gibts heut zum Abendbrot nur Reste aus der Tagesration.

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