🍀 Walter Teil I – oder – longBoarding the east

Das sind Walter und ich. Wir kommen gerade vom Bäcker.


Walter?

Ich muss ausholen!

Valle Gran Rey. Februar ’23.

Wir sitzen auf dem Balkon unseres Apartments und blinzeln selig über den von der Morgensonne glitzernden Atlantik. Bereits halb 9 ist die Aufgabe, die erste Flasche halbtrocknen spanischen Weißweins ihrer Bestimmung zuzuführen, erfüllt. Heute wird kein Tag für Unternehmungen, nur einfach mal chillen. Wir genießen das „Nichtstunmüßen“ und genügen uns selbst. Bald ziehen wir mit neuem Wein bewaffnet an den Strand um. Mal philosophieren wir über Gott und die Welt, albern herum, singen und lachen zusammen, dann starren wir wieder still aneinander gelehnt Löcher in die Luft über dem Meer. Drei Flaschen sind es mittlerweile. Meine Gedanken verschwimmen und schweifen ab.

Der schwarze Sand, das Meer, die Berge, das Grün. Wie auf Island. Wie in einem meiner Lieblings – Fernweh – Filme.

In der für mich besten Szene des Films tauscht Walter, ein verträumter Zeitungsangestellter, der um seinen Job kämpft, auf Island seine Langziehpuppe „Stretch Armstrong“ gegen das Longboard eines einheimischen Jungen, kehrt innerlich in seine Sk8erjugend zurück und brettert downhill, wunderschön filmisch eingefangen, einem Fotografen hinterher.

– Unbedingter Filmtipp! Das erstaunliche Leben des Walter Mitty. –

In diesem Zustand geistiger Schwäche und Höhenflüge zugleich sind schnell in der Suchmaschine die richtigen Begriffe eingetippt. „Eeeh, es gibt ein Longboard, das dem im Film nachempfunden ist! Mal gucken. Oh man, das ist wunderschön“. Ich schwelge selber weinselig in meiner Kindheit. Mein erstes Skateboard war ein Holzbrett mit einem zerbastelten Rollschuh drunter geschraubt. Das zweite hatte ich von meinem Kumpel erbettelt. Es hatte Eisenräder, war schick angemalt und hat super gelenkt. Das dritte ( unten links im Bild zu sehen) war ein Billigboard aus dem Quelle – Katalog. Aber es war mein ein und alles.

Wieder zurück im echten Leben, im Urlaub, am Strand, Wein intus, ist der Klick auf „buy now“ unabwendbar. Doch wenn etwas rot aufleuchtet ist das meist nicht gut. „Sorry, we don’t ship to Europe“, erklärt die Warnmeldung. Schade, aber, warte mal! Vielleicht? Und schon flattert eine Email mit all meinem Herzschmerz und der flehenden Bitte, ob es vielleicht doch eine Möglichkeit gäbe, wie ich diesem Board habhaft werden könnte, gen Californien.

Spät in der Nacht erreicht mich die Antwort eines super Typen, dem der Laden mit gehört. „Klar schicken wir dir das Board. Kein Problem. Der Zoll kostet dich zwar empfindlich, aber dafür lege ich die Swiss Bones anstelle der REDZ aus China zum selben Preis dazu. Eh man, ich bin selber ein großer Mitty – Fan. Deshalb haben wir auch das Board kreiert und ich freue mich, wenn andere das auch so sehen. Ist übrigens das letzte in dem Stil. Enjoy!“ Überschwänglich dankend fällt meine Antwort aus und yesssss, ich hab das letzte Mitty Longboard. 40″, Drop Down Deck, Paris Trucks, Hawgs Chubby 63mm Wheels. Natürlich kommt kein anderer Name in Frage als „Walter“.

LÍFÍÐ [isl.] – LEBEN


Das Paket von über dem Teich lässt nicht lange auf sich warten und bald stehe ich winterbejackt in der kalten Garage, baue das Board zusammen und bekomme das kindliche Grinsen nicht aus dem Gesicht. Als das geschafft ist, sende ich eine Mail mit der Vollzugsmeldung und einem ersten Foto von uns zusammen zu Dan. Als Antwort kommt: „This picture made my day!“

Sowie das Wetter es zulässt, werden erste unbeholfene Rollversuche unternommen. Mein Gleichgewichtssinn tendiert gen 0 und pushen geht nur mit dem linken Bein. Nein, man ist nicht mehr 13 und ja, durch üben entsteht auch mit ü 40 noch Wissen und Können, nur halt irgendwie langsamer. Auf gerader Strecke und bei glattem Asphalt gibt es gefühlt keine Grenzen und wir rollen nahe zu ohne Widerstand viele Meter. Ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Das erste mal Samstag früh zum Bäcker (5km) endet mit tagelangem Muskelkater an Stellen, die ich vorher kaum kannte. Der erste große Ausflug (15km eine Strecke) zu einem guten Kumpel erregt schon mehr Aufsehen. Die Bilanz dieser Unternehmung liest sich wenig schmeichelhaft.

  • Bord die meiste Zeit getragen, dabei Rucksack kaputt gekratzt mit dem Sandpapier
  • die ersten Meter „downhill“ ohne Kenntnisse des Bremsvorgangs eine Katastrophe
  • das extra fürs Abendbrot von meiner Frau gebackene Wurzelbrot verschwindet zusammen mit mir rechts im Straßengraben und bleibt trotz aufgeregten Suchens verschwunden
  • Board verabschiedet sich links den Hang hinunter
  • muß ich die beidseitige Asphaltflechte und wieder mega Muskelkater extra erwähnen?
  • bleibender Schaden ist ein kleiner Gnubbel am linken Knie, der elektrisiert, wenn man dolle drauf drückt.
  • trotzdem gefreut wie Bolle

DAS ÜBEN WIR NOCH!


Koserow, wieder Februar.

Inzwischen sind 2 Jahre vergangen. Am Board selbst hat sich nichts getan. Es rollt so fantastisch wie eh und je. Jedoch sind für mich nützliche DIY – Gimmicks, wie die Gepäckrolle und der der „Zauberstab für alte Männer“ erfunden und angebaut worden. Nach verschiedenen Versuchen mit schwerem Gepäck stellt sich nämlich heraus, ich brauche mehr Kontrolle über Walter, damit größere Distanzen gefahrloser möglich werden. Also befestige ich zunächst Zeltstangen an der Front, die später durch einen Trekkingstock ersetzt werden. Ja, uncool. Für meine geplante Art der Fortbewegung ergibt es aber Sinn, denn ich erhalte dadurch die Möglichkeit, jederzeit das Board zur Seite zu nehmen oder mir einfach über den Rücken zu schwingen und weiter zu gehen, ohne mich mit 20 Kilo Gepäck tief hinunter beugen zu müssen. Ich will schließlich irgendwann mal ordentlich und sicher Strecke machen können. Das sonstige Fahrgefühl ändert sich dadurch kaum, außer mehr Sicherheit und viel weniger wobbeln bei schnellerer Fahrt bergab.

Für Februar sind die Temperaturen angenehm, es ist trocken, die Usedomer Radwege 1a. Also nehme ich mir den Nachmittag frei vom Urlaub und rolle ostwärts davon. Alles funktioniert genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Nein, besser. Es geht so gut, dass ich übermütig bis über die polnische Grenze fahre. Anschlagen und zurück. In Ahlbeck fragt mich einer auf nem E-Bike, ob mein Akku leer sei. Ich verneine und verweise auf den fehlenden Elektroantrieb. Am Domizil angekommen stehen 44 km in 4h auf der Uhr. Ohne Last auf dem Rücken. Pi mal Auge sollten so je nach Untergrund und Geografie 40 km am Tag selbst mit viel Gepäck und schönen Pausen schaffbar sein. Das hätte ich so nicht gedacht. Da könnte man ja mal was planen.


Oder – Neiße – Friedensgrenze

Im Gespräch mit Micha, einem guten Kumpel und leidenschaftlichen Fahrradfahrer, fiel mal der Begriff Oder – Neiße – Radweg ( D12 ). Von uns aus schnell erreichbar, gut ausgebaut und 500 km tolle Natur waren die Schlagworte, die bei mir verfingen. Mal eine Woche mit dem Longboard? Der Gedanke ist schnell fix und manifestiert sich in Form eines Geburtstagswunsches. Wenn die Arbeit es zulässt, schenkt mir bitte „ein paar Tage weg“.


Also gut, „Ein paar Tage weg“.

Zgorzelec, Mai ’25

Anja hat uns (Walter und mich) samt Futter, Klamotten und Kleingeld für 6 Tage an einer Ausfallstraße von Görlitz abgeworfen. „Hab dich lieb. Mache vorsichtig, gib mal ein Zeichen und genieße die Zeit!“ Der Abschied fällt wie immer nicht ganz leicht.

Als offiziellen Startpunkt hatte ich mir unbedingt die polnische Seite eingebildet. Also rolle ich bei schönstem Wetter in Richtung Stadtkern, mache auf der Altstadtbrücke kehrt und beginne dem Oder – Neiße – Radweg zu folgen.

Zunächst bedeutet das, Brett auf den Rücken und laufen. Die verwunschenen, mittelalterlich schön gepflasterten Gassen hinter dem heiligen Grab hinauf sind erkundenswert und wenig begangen, aber alles andere als zum rollen geeignet. Sobald der Belag es zulässt, rollt Walter brav neben mir her. Ich muss nur leicht die Hand auf den Zauberstab legen. Doch nun Aufgestiegen! Schon bei leichtem pushen erreicht man locker 10 bis 15 km/h und der Kilometerzähler klettert ambitioniert nach oben. Eine sehr angenehme Geschwindigkeit. Gerade langsam genug, um noch kleine Details vom Wegesrand aufzupicken und Blicke in die Höfe und Gärten riskieren zu können, aber auch schnell genug um gut vorwärts zu kommen und ein wenig Fahrtwind zu erhaschen. In Ludwigsdorf unter der Autobahnbrücke hindurch und entlang der Dorfstraße nicke ich freundlich ein paar älteren Damen beim morgendlichen Schwätzchen zu. Sie grüßen verwundert zurück. Komischer Untersatz. Bald schlängelt sich der gut asphaltierte Weg durch die grünen Wiesen und Felder. Die Gerste hat ihre Ähren heraus geschoben und bei Wind beginnt sie zu wogen. Wie ein Meer aus grün – gelben Wellen und wir surfen hindurch. Felder, Wälder, Wiesen, der Deich, der Fluß, die Natur, die Ruhe. Freiheit! Ich liebs jetzt schon. Zwischendurch ein netter Schwatz mit Radlern, die in die gleiche Richtung wollen wie wir. Sie sind ohne Akku unterwegs, guter Dinge und gönnen sich schon das erste Wegebier. Zum Wohl! Vielleicht sieht man sich ja nochmal.

Kulturinsel Einsiedel. Schon in Turisede? Ein jeder sollte sich und seinen Kindern mal den Spaß dieses ganz speziellen Abenteuerspielplatzes gönnen. Auch wir haben viele Stunden hier verbracht und sind immer von den Kiddies mitgerissen und selbst wieder ein wenig jünger dabei geworden. Aber ein Klappern signalisiert, irgendwas stimmt mit dem Zauberstab nicht. Ich wollte sowieso ein Päuschen einlegen. An einen bunt im typischen „Einsiedler“ Stil bemalten Transporter mit schon reichlichst Patina gelehnt, genehmige ich mir Minisalamis, Panzerkekse und ein paar Schlucke Wasser und inspiziere die schadhafte Stelle.  Die Klemmvorrichtung des Stocks ist abgebrochen und versagt nun ihren Dienst. An meinem Multitool ist lediglich ein Stück Feile dran. Damit säge ich an dem gebrochenen Ring herum. Ausgerechnet jetzt tauchen jede Menge Fahrradfahrer auf. Eine Mischung aus Hallo, Mitleid und Erstaunen über den Mc Guyver für Arme unten im Dreck. Egal. Ich nicke angestrengt und schwitzend zurück und feile weiter. Geschafft. Der Ring ist ab und macht den Weg für weitere Modifikationen frei. Die Klemme funktioniert noch, aber ich brauche eine längere Schraube. Ein Blick ins weltweite web verrät, nächster  Baumarkt: Rothenburg.

Dort bekomme ich die benötigten Teile. Leider nicht 100% passend aber mittels der kleinen Eisensäge gelingt die Kürzung der Schraube und die Reparatur endet erfolgreich. Jetzt schnell rüber in den Edeka. Darauf ein Eis! Die Vorfreude währt nur kurz , denn genau vor dem Eingang, vor allen Leuten, liege ich wieder auf der Nase. Einige haben sich erschreckt. „Nix passiert! Wie man sieht, das Fallen funktioniert schon perfekt, am Rest arbeite ich noch.“ Bis heute weiß ich nicht, wie das auf diesem glatten und sauberen Untergrund passieren konnte. Und die Stange? Nein!!! Wieder verbogen. Zum Glück ist nichts gebrochen. Aus der Not jedoch wird eine Tugend. Ich drehe die Stange so, dass die Biegung nicht mehr nach vorne sondern nach hinten zeigt. Die paar wenigen Zentimeter verlagern meinen eigenen Schwerpunkt deutlich in die Mitte des Boards. So ist die Standsicherheit wesentlich besser. Nun aber das Eis!

Weiter zieht sich der Weg entlang der Neiße und durch kleine Dörfer. Malerisch und gut zu fahren. Werdeck, direkt am Truppenübungsplatz gelegen lockt schon von weitem mit allerlei Köstlichkeiten. Natürlich ist noch Platz für noch ein ( wer wird schon mitzählen ) Eis und Zeit für ein nettes Gespräch mit der Wirtin. Keine Flucht diesmal. Zeit lassen und den Moment ergreifen und genießen. Und ja! Das Leckerli bitte mit vielen bunten Streuseln auf die Erdbeersoße!

Erst hinter Skerbersdorf, als nach einer flotten Abfahrt die Dorfstraße abrupt in einer Waldwiese endet und ich nur mit aufgerissenen Augen und viel Körpereinsatz zum Stehen komme, beschließe ich, hier ist es schön, ruhig und ein guter Platz, das Nachtlager aufzuschlagen. Die Rehe hopsen in den Wald, als ich anfange, mit der Zeltplane zu wedeln. Was für ein herrliches Fleckchen Erde. Die Sonne ist hinter den Bäumen verschwunden und wenn ich morgen früh Glück hab, weckt sie mich und trocknet gleich das Zelt.

Während das Wasser fürs Abendbrot köchelt, telefoniere ich nett mit Steppe und beäuge müde und zufrieden die heut aufgezeichnete Strecke. Wow. 65km in 9 1/2h. Inklusive vielen Stopps, Päuschen, Reparaturen und natürlich Landschaft gucken. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Ein wunderbarer erster Tag!


Guten Morgen. Schon lange kündigt das krakeelen der Vögel in den Baumkronen über dem Zelt die aufgehende Sonne an. Endlich schiebt sie sich über die Baumwipfel hinweg und beginnt, das Zelt trocken zu lecken. Ohne nachts in irgendeiner Form gefroren zu haben, genieße ich, wie die Wärme nun auch in den Schlafsack dringt, drehe mich nochmal um und träume ein weiteres halbes Stündchen vor mich hin. Dann lockt der wunderbare Morgen mich doch aus den Kunststofffasern, das Deck des Boards wird als Tisch herangezogen und als das Wasser kocht, beginnt das gemütliche Frühstück. Käffchen und selbst zusammengestelltes Müsli aus Leinsamen, Nüssen, Cranberries und Haferflocken. Ein gutes Stündchen geht so ins Land, bis der Aufwasch, die Hygiene, der Zeltabbau und das Verschnüren der ganzen Einrichtung erledigt und wir zum Abmarsch bereit sind. 

Zunächst ein Stück durch den Wald, doch bald findet sich wieder rollbarer Untergrund ein. Sagar, Krauschwitz, Bad Muskau. Ich kehre bei einer Bäckerei auf dem Markt ein und genehmige mir Capuccino, Stachelbeerkuchen mit Baiser und Eis. Mein Geburtstagsfrühstück. Diesmal leider allein. Anja fehlt mir jetzt! Als wir telefonieren, sagt sie, es sei komisch, sie könne mich heute gar nicht verwöhnen.

Aus dem Hauseingang neben dem Bäcker tritt ein Pärchen mit Fahrrädern auf die Straße, schaut sich um, erkennt mich und staunt genau so wie ich. Wir sind uns gestern schon begegnet, haben einen kurzen Plausch gehalten und weg waren sie wieder. Um so erstaunter sind wir nun, daß wir uns hier treffen. Diesmal ist das „Auf Wiedersehen“ schon ernster gemeint, als noch am Vortag.

Weiter! Pussak, ein Weiler am Radweg, liegt versteckt und idyllisch inmitten der Natur. Und auf dem Ziegenhof gibts Eis. Es muß sein. Small talk mit dem Bauern. Der Verkaufsstand hat schon geöffnet und eigentlich müßte man sich durch die selbst hergestellten Leckereien aus der Ziegenhaltung probieren, aber es fehlt an Kühlkapazität und mein Rucksack ist mit 21 Kilo ohne Wasser auch so schon schwer genug. Waldmeister – Vanille also. Der nächste Abschnitt verspricht sehr angenehme Fahreigenschaften und so kann ich während der Fahrt gemütlich die fruchtig, süße Verführung aufnaschen.

Irgendwo im Wald südlich von Forst stellt sich mir ein Kienapfel mutig in den Weg. Er hat den Zeitpunkt optimal gewählt, denn ich lese grad einen lieben Geburtstagsgruß am Telefon und bin nicht voll bei der Sache. Zack! Diesmal zum Glück ohne Publikum, liege ich im Kraut. Aufpassen, Mensch!

In Forst angekommen, mache ich einen kleinen Umweg zu Obi. Ich brauche Waffenöl, Textilkleber, Sekundenkleber und einen Torx Schlüssel Größe 15. Wieder zusätzlicher Ballast, aber was muß, das muß. Heute früh war mir das Taschenmesser mit aufgeklappter Schere aus der Hand gefallen und spickte gleich schön im Zeltboden. Unschön! Diesen Reparaturgedanken verschiebe ich jedoch schnell auf zuhause. Es wird schon so gehen. Was, wenn der Klebstoff sich doch nicht mit dem SilNylon verträgt?  Der Sekundenkleber kommt am Zauberstab zum Einsatz. Die Billardkugel löst sich ständig. Ein Tropfen und Ruhe ist. Sehr gut! Mit dem Ballistol mache ich die Rollen wieder leichtgängiger. Ja, das ist eigentlich nicht richtig. Man soll die Lager erst mit Bremsenreiniger säubern. Aber unterwegs muß man flexibel sein und nimmt, was man hat. Das Ergebnis fühlt sich wunderbar an. Ganz leicht und ruhig drehen die Wheels. 

Außerhalb der Orte zeigt sich der Belag bisher bis auf kurze Ausnahmen von seiner fürs Rollen angenehmsten Seite, während es innerhalb durchaus „vielfältig“ zu geht.

Zeit für eine kleine Belagskunde – oder – die Abwärtsspirale der kleinrolligen Fortbewegung 🙂

  • Asphalt: Ausnahmen setzen zwar die Regel außer Kraft, und es gibt sie , aber allgemein kann ich sagen, je feiner, desto besser
  • Granit – Gehwegplatten: Sehr gut zu fahren, da glatt , vor allem bei Nässe! Aber auch Obacht bei den Stößen. Die sind oft hinterhältig
  • Beton – Gehwegplatten ( Kanten quer zur Fahrtrichtung ): je nach Stoßmaß und Grobkörnigkeit ganz gut bis grad noch so ok.
  • Beton – Gehwegplatten ( Kanten diagonal zur Fahrtrichtung ): durch immer schräges überfahren der Stöße kaum spürbare Übergänge und gut bis sehr gut fahrbar.
  • Betonpflaster ( rechteckig, quer verlegt, abgeschrägte Kanten ): Der Hass! Anstrengend bis unfahrbar, mit größeren Wheels ergäbe sich vielleicht ein besseres Fahrgefühl.
  • Betonpflaster ( rechteckig, längs verlegt, abgeschrägte Kanten ): Stöße spürbar, aber noch gut fahrbar.
  • Betonpflaster ( rechteckig, quer oder längs verlegt, gerade Kanten ): Das komplette Gegenteil. Stöße kaum spürbar. Gern gesehen.
  • Betonpflaster ( Blumenform ): Du denkst schon, ach du schie*********, bremst reflexartig und willst freiwillig das Board tragen. Dann probierst du es doch, und bist positiv überrascht, wie locker – flockig es sich darauf gleiten lässt. Sehr gut!
  • Betonpflaster ( Knochenform ): Fahreigenschaften nur unwesentlich anders, als bei Rechteckpflaster.
  • Kopfsteinpflaster: Es tut allen, dir, deiner Umgebung und dem Board gut, wenn du dort GEHST!
  • Mineralgemisch: Eine weitere Überraschung. Es gab tatsächlich eine etwas längere Stelle, sehr fein und fest gerüttelt, da fuhr es sich passabel mit entsprechender Staubentwicklung. An anderen Stellen bleibt man einfach stecken.

Vielleicht liest das ja mal ein progressiv denkender Stadtplaner und gönnt uns ein wenig mehr gut fahrbaren Belag?

Das Wasserkraftwerk bei Grießen, ein gut erhaltener Backsteinbau, summt und brummt noch. Hier wird Strom erzeugt und man kann das Gebäude auch besichtigen. E- Radler dürfen hier kostenlos die Akkus aufladen. Feiner Zug vom Betreiber.  Hinter einem hohen, grünen Zaun beäugt mich eine MIG, Relikt der russischen Streitkräfte. Ich muß dringend meine Wasservorräte auffüllen und winke den Leuten, die etwas weiter hinten im Grünen sitzen zu. Eine weißhaarige Dame löst sich aus der Sitzgruppe und kommt verwundert nach vorn. Ich bitte höflich um etwas kühles Nass und reiche ihr meinen Wassersack durch die Eisenstäbe des Tors. Ihre Gesichtsmuskeln entspannen sich sichtlich und freundlich erfüllt sie mein Begehr. Sie möchte noch gern wissen, woher ich komme und wohin es geht und wir quatschen ein bisschen. Tausend Dank. Wir verabschieden uns fröhlich. Ich rolle noch ein Stück weiter. Die Sonne steht schon tief, als kurz vor Groß – Gastrose eine abgemähte Wiese gleich hinterm Deich mit einer guten Zeltstelle lockt. Gebucht!

Flux ist das Zelt in Stellung gebracht, alles gemütlich eingerichtet und wieder zurück über den Deich gekrabbelt, um die Abendsonne zu genießen. Was für ein Geburtstag. Vielen Dank, daß ich hier sein darf und daß es hier so friedlich ist. Zurück im Domizil hab ich lange zu tun mit Glückwünsche beantworten und Geburtstagsgrüße am Telefon entgegenzunehmen. Danke auch dafür.

Heutige Distanz: 64,5km


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