­čŹÇ Wenn das Wetter Mist ist, kann ich los.

Der erste Druschtag. Ganz unverhofft schlittern wir mitten in die Gerstenernte hinein. So fr├╝h, das h├Ątte keiner gedacht. Aber es ist gut. Jeder Tag mu├č genutzt werden. Abends fallen die ersten Regentropfen. Wir dreschen weiter und tats├Ąchlich bleibt die tiefschwarze Gewitterwand hinter den Bergen, bis das Feld geschafft ist. So spannend schon am ersten Tag? Normalerweise geht es zu Beginn eher ruhiger zu.

F├╝r die Nacht sind reichlich Niederschl├Ąge angesagt. Als wir morgens die Fenster ├Âffnen, ist alles triefend na├č und riecht nach saftigem Gr├╝n. Kein Wetter f├╝r Ernteaktivit├Ąten jedweder Art. Alles richtig gemacht! Zeit? Ja! Ein paar wichtige Arbeiten m├╝ssen noch erledigt werden. Doch dann ist es soweit. Wenn das Wetter Mist ist, kannst du los, sagt meine Frau. Auch f├╝r die n├Ąchsten Tage sind teils heftige Schauer angesagt. Meine Option f├╝r Verl├Ąngerung.

Packen ist mir immer wieder eine Freude. Das Hochgef├╝hl, auf Reisen zu gehen wird noch mehr angeheizt. Dieses Mal bekommt die „Queen of Africa“ ihre Satteltaschen geschn├╝rt. K├╝che (so hei├čt der oranjefarbene Packsack, in dem Kocher, Tippel und Besteck verschwinden), Bad (der rote Packsack mit Handtuch, Dr. Bronner Lavendel und abges├Ągter Zahnb├╝rste im Inneren) Tarp, Isomatte, Schlafsack, M├╝ckenspray, ein paar Kreuzer in die Tasche, die digitale Landkarte. Fertig. Los!

Anja w├╝nscht mir eine gute Zeit und l├Ąsst mich ziehen. Sie wei├č, was mir fehlt…

Tanken, Gas und ab auf die Bahn gen Erfurt. Ein guter Freund hat Geburtstag. Kurzer Zwischenstopp in einem Einkaufsladen mit erlesener Auswahl an geistigen Getr├Ąnken zum Auff├╝llen der Reserven.

Der warme Wind um die Nase tut so gut. Ganz anders, als mit den alten Damen aber auch faszinierend. Fast 26 Jahre alt, aber souver├Ąn wie am ersten Tag zieht die Honda Africa Twin 750 ihre Linie gen Sonnenuntergang. Sie ist, lange verdr├Ąngt und doch zuf├Ąllig wieder entdeckt, mein heimlicher Teenagermotorradtraum, den ich nie f├╝r m├Âglich gehalten h├Ątte, einmal selbst zu besitzen.

Die Kilometer purzeln, schon sind wir da. Ein sch├Âner Abend bei guten Freunden, die schon zur Familie geh├Âren, angeregte Gespr├Ąche, gepr├Ągt von gegenseitigem Interesse und Zugewandtheit. Das ist es, was mir in diesen Zeiten oft fehlt. Beschlossen wird der Tag mit „einem“ Glas Whisky. Danach wartet ein weiches Bett.

Gut ausgeschlafen, gef├╝ttert und gew├Ąssert verabschiede ich mich. Es ist ja Wochentag und normale Menschen m├╝ssen da arbeiten. Wie fast immer verpasse ich die richtige Abbiegung und komme in den Genu├č, nochmal die Stadtmitte Erfurts bewundern zu k├Ânnen.

Auf dem R├╝ckweg m├Âchte ich noch bei einem neuen Bekannten zum Kaffee vorbeischauen. Kaffee UND Quatschen. Denn es gibt gegenseitig viel zu erz├Ąhlen. Er ist passionierter AWO – Schrauber und legt gerne auch lange Strecken mit dem Alteisen zur├╝ck. Der Erfolg gibt ihm Recht. Bis nach Kalm├╝ckien am Kaspischen Meer hat es ihn und sein einzigartiges Gespann schon verschlagen. Somit ist er f├╝r mich der am weitesten in den Osten vorgedrungene AWO – Fahrer. Die Gespr├Ąche befeuern nat├╝rlich mein Fernweh und die Fantasie, wenn man mal gro├č ist, so was auch gerne zu erleben.

Ruckizucki sind 2h verquatscht, doch der Abschied will nicht so schnell gelingen. Noch ganz in Gedanken fahre ich mit leicht erh├Âhtem Tempo in eine station├Ąre Radarfalle. Katsching! Naja… Kurz drauf will noch ein ├╝bermotorisierter Kombi zeigen, da├č 400 PS doch auch cool sind (das Schild mit der Aufschrift „Wettbewerb“ hatte ich wohl ├╝bersehen ­čśë ). Die Stelle f├╝r den ├ťberholvorgang ist in einer Kurve recht unkonventionell gew├Ąhlt, dennoch zum Zwecke des Auffallens gut geeignet. Meine Aufmerksamkeit hat er jedenfalls. Ich mache rechts Platz… rechts des Seitenstreifens…

Die n├Ąchste Tankstelle sorgt f├╝r S├Ąttigung bei Pferd und Reiter. Ein nettes Telefonat mit zu Hause bringt Gewissheit ├╝ber das weitere Vorgehen. Kein Erntewetter weit und breit in Sicht hei├čt, weiterhin gutes Motorradwetter.

Zwei andere AWO – treiber bereisen bereits seit ├╝ber 2 Wochen Deutschland, D├Ąnemark und Schweden. Jetzt sind sie auf dem Weg ins Lausitzer Seenland. Kurz vor Riesa fange ich sie ab und fortan geht es zu dritt den Rest des Weges. Sie sind schwer bepackt. Es ist eine Freude hinterher zu fahren. Der Senftenberger See empf├Ąngt uns mit gutem Wetter. Wir stecken noch in unseren Regensachen und sehen vielleicht ein bisschen derangiert aus. Alle haben dreckige H├Ąnde vom Alteisen oder wie ich vom Abrieb des alten Gummis der Griffe. Z├╝nftig halt. Als uns aber zur Begr├╝├čung ein: “ Aber nicht, dass es Beschwerden wegen Ruhest├Ârung gibt! “ empf├Ąngt, sind wir erstmal perplex. ├ä├Ą├Ą├Ąh…. nein? Die Dame hat vielleicht schon schlechte Erfahrungen mit „Typen wie uns“ gemacht. Wir bekommen einen sch├Ânen Stellplatz unter den Kiefern zugeteilt. 3 Pl├Ątze um genau zu sein. Riesig gro├č f├╝r unsere Verh├Ąltnisse. Flux sind Zelte und Tarp aufgeschlagen. Ich probiere noch etwas hin und her, wie man die Plane am besten ├╝ber das Motorrad ziehen kann, damit auch dieses nicht im Regen stehen muss.

Es folgen die Inspektion der Sanit├Ąrgeb├Ąude, ein kurzer Strandgang und die Wahl der Lokalit├Ąt. Wir kommen beim Asiaten zum sitzen. Eine gute Wahl wie sich herausstellt, denn gebackene Ente, Huhn, Bratreis und Nudeln geben keinerlei Anlass zur Kritik. „S├Ąttigend und lecker“, ist die einhellige Meinung. Anschlie├čend geht es zum gem├╝tlichen Teil. Sitzen und erz├Ąhlen. Ein guter Glenmorangie wird ausgeschenkt, Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht. Sp├Ąt geht der angenehme Abend zu Ende. Einmal umfallen und ich komme mit dem Kopf unter dem V2 liegend zur Ruhe. Kaum M├╝cken, ein k├╝hlendes L├╝ftchen. Gute Nacht.

In der Nacht sind hier ein paar Tropfen Regen gefallen. Der Morgen gr├╝├čt mit Sonnenschein. Zu Hause dagegen hat es zwar nicht das angesagte Unwetter, wohl aber eine Menge Regen gegeben. Das Zeitfenster geht auf, zieht mich rein und schnappt wieder zu. Ein Tag mehr Motorradfreiheit? Danke gern! Wir trinken noch ein, zwei K├Ąffchen zusammen, das Motorrad wird w├Ąhrenddessen nach und nach gepackt. Danke ihr beiden f├╝r die sch├Âne Zeit zusammen! Leise tuckere ich vom Platz. Und jetzt?

Ferne Welt ich komme ­čÖé !

Ein polnischer Bekannter hat mir mal vom Trans Euro Trail erz├Ąhlt. Das ist ein europaweites Netz von, sagen wir mal Strecken abseits der gro├čen Stra├čen, so oft es geht auch unbefestigt. http://www.transeurotrail.org . Polen ist gut ausgestattet mit derlei Strecken und so f├Ąllt die Entscheidung pro offroad. Selten gemacht bisher. Ich bin gespannt.

Nach einer Fr├╝hst├╝cksbockwurst mit Kakao in Spremberg ├╝berquere ich in Forst die Grenze. In ┼╣agan nimmt uns (die Queen und mich) der Trail w├╝rdig in Empfang. Die erste Pf├╝tze der ersten „Stra├če“ ist nen halben Meter tief. Fetzt! Man wei├č nie, sind L├Âcher in der Stra├če, oder Stra├čenreste um die L├Âcher. Meist hilft ausweichen nichts. Nur Mut und durch! Bald gehen die L├Âcher in Waldweg, bald in Schotterpiste ├╝ber. Ein kurzer Durchstich durch ein W├Ąldchen. Einspuriger Trampelpfad. Eisenbahnschotter. Entlang rostiger Gleise ├╝ber eine altehrw├╝rdige Backsteinbr├╝cke, welche die Oder ├╝berspannt.

Im Auenwald entlang des B├│br steht die Luft. Der sandige Boden bietet dem Seitenst├Ąnder kaum Widerstand, aber f├╝r ein schnelles Foto reicht es. Aus dem wilden Gr├╝n um mich herum steigen Scharen von Schmetterlingen auf. Manche davon hab ich noch nie gesehen. Keine Chance, das auf Zelloloid zu b├Ąndigen. Dann lieber den Moment genie├čen und im Kopf aufbewahren. Voller Schmetterlinge im Kopf finde ich meinen Weg weiter, durch Felder, Wiesen und Neubaugebiete mit halbfertigen Einfamilienh├Ąuschen. Die Maurer halten kurz inne, schauen wer da aus der Wildnis auftaucht. Ein freundliches Winken wird l├Ąchelnd erwidert.

Ein paar Mal abbiegen und der betonierte Weg wird breiter und breiter. Ein Rollbahn. Kein Gegenverkehr, keine Hindernisse. Ich gebe Gas. Neben mir am Rand ein M├Ądel beim Autofahren ├╝ben. Der Freund / Fahrlehrer steht am Rand. Auch sie gibt Gas. Beide gleichauf winken wir uns zu. Jetzt Fl├╝gel dran und abheben…

Doch schon macht der Verlauf eine Biegung und es geht zwischen klein ges├Ągten und schadhaften Windkraftwerksrotorbl├Ąttern hindurch und an ehemaligen Milit├Ąrhangars vorbei. Nach der Durchfahrt eines Portals mit polnischer Beschilderung winkt mich ein Mann zu sich. „Betriebsgel├Ąnde!“ Ich entschuldige mich und frage nach. „Ja Ja, der TET ist mal hier durch gegangen. Jetzt ist das alles hier privat. Dahinter ist ├ťbungsgel├Ąnde. Ich m├Âchte nicht die Verantwortung f├╝r einen erschossenen Enduristen ├╝bernehmen. Er erkl├Ąrt freundlich, wie ich am besten weiter, wieder auf den Weg komme. Dj─Önkuj─Ö bardzo.

Es folgen ein paar Kilometer Asphalt, verschlafene D├Ârflein mit Kopfsteinpflaster und schon geht es wieder in den Wald hinein. Sand! Nasser Sand , trockener Sand, mal tiefgr├╝ndig, mal festgefahren. So oft habe ich die schwere Maschine auch noch nicht in unbefestigtem Gel├Ąnde bewegt. Sie zeigt sich gutm├╝tigt, das Drehmoment des Motors hilft dabei, schwierige Stellen besser zu meistern. Nur umkippen w├Ąre jetzt doof. Zack! Schon liege ich bei Schrittgeschwindigkeit im Sand. Jetzt gilt es 230 Kilo wieder aufzurichten. In solchen Momenten sehnt man sich eine Maschine mit auffallend weniger Gewicht an seine Seite. Sei’s drum. Der Schwei├č rinnt.

So arbeite ich mich auf dem Trail gen S├╝den vor. Es ist wirklich abwechslungsreich und man sieht Gegenden, die einem sonst verborgen bleiben. Mehrfach ├╝berqueren wir den sch├Ânen B├│br mit seinen ausgedehnten Ufern , Sand- und Kiesb├Ąnken, Schilfg├╝rteln und toten Armen. Ein Paradies f├╝r Tiere und Pflanzen. Menschen sind in angemessener Zahl und Verhalten bedingt willkommen.

Meine Annahme, es muss in der Gegend recht ausgiebig geregnet haben, bewahrheitet sich nicht nur am Wasserstand in den Pf├╝tzen. Auch die toten Arme des B├│br sind gut gef├╝llt. Einen davon gilt es tats├Ąchlich zu durchqueren. Im klaren Wasser sieht man Betonelemente lose und ungleichm├Ą├čig ausgelegt. Die Tiefe kann ich nur schwer sch├Ątzen. „Wird schon nicht sooo…!“ Doooch wird es! H├Ątte nicht gedacht, dass ich in diesem Leben mal froh sein w├╝rde, dass der Luftfilter an der h├Âchsten Stelle des Tanks sitzt. Einen knappen Meter tief ist diese Furt heute doch. Mit Bugwelle voran , nicht zu langsam, nicht zu schnell durchwaten wir dieses kleine Abenteuer. Geschafft! Die halbe Karre ist gebadet. Ich inklusive.

Kurz hinter dieser Stelle kommt mir ein koreanischer Kleinbus mit Oberallg├Ąuer Nummernschild entgegen. Ob er dort auch durch will? Noch unter einer Eisenbahnbr├╝cke hindurch und die Natur ├╝bergibt mich wieder einer Dorfstra├če. Boles┼éawiec ist die n├Ąchste gr├Â├čere Stadt, die wir durchqueren. Auch Bunzlau genannt ist die Stadt ├╝ber die Landesgrenzen hinaus bekannt und ber├╝hmt f├╝r ihre tollen Keramikk├╝nstler und – manufakturen.

F├╝r uns gibt’s hier Super 95, einen Hotdog und einen Smoothie. Ich soll unterwegs nicht immer soviel Redbull trinken. Stimmt. Mache ich. Ist auch viel leckerer.

├ťber das Tankstellendach zieht eine Wolke und l├Ąsst ein paar Tropfen Regen fallen. Bald jedoch klart es endg├╝ltig auf und die Sonne beh├Ąlt die Oberhand, bis die Nacht hereinbricht.

Weiter. Rakowice Ma┼ée. Sandige Wege f├╝hren zu einem Baggersee denke ich erst, aber ein Blick auf die Karte zeigt, hier flie├čt der B├│br hindurch. Herrlicher Sandstrand l├Ąd den geneigten Enduristen zum Picknick mit Abk├╝hlung ein. Die Sonne knallt. Ein Schwarm Fische huscht in den Schatten einer Weide, als ich mich ins Wasser traue. Das tut gut. 100 m weiter stehen zwei Wohnwagen. Deren Insassen l├╝mmeln braungebrannt in ihren Campingst├╝hlen. Als ich gerade wieder trockene Schl├╝ppis angezogen hab und die nassen an den Spiegel h├Ąnge, kommt ein Audi an den Strand gefahren. Musik laut. Die Freundin geht baden. Er am Handy. 3 min. sp├Ąter sind meine Klamotten trocken, die Musik wird nervig. Schnell noch ein bisschen die Salzkruste vom Nicki abgewischt und wieder los. Danke f├╝r diesen erfrischenden Zwischenstopp. Wir k├Ąmpfen uns durch die Sandd├╝nen und ein ums andere Mal w├╝nsche ich mir das grobe Profil der AWO – Bereifung her. Irgendwann wird der Weg fest und die Fahrt wieder entspannt.

Der gpx – track ist wirklich Gold wert. Ohne diese Navigationshilfe w├Ąren diese Strecken wirklich kaum zu finden. Nicht selten traut man sich kaum, die Einfahrten zu nehmen. Doch der Mut wird mit jeder Menge Aus- und Einblicken belohnt. So auch der n├Ąchste Abschnitt. Der sehr ausgewaschene Wiesenweg zwischen Getreidefeldern mahnt eigentlich zu vorausschauendem Fahren. Doch nicht zu vorausschauend! Am Horizont zeichnen sich die Umrisse des Riesengebirges ab. Da bleibt der Blick schon mal verliebt h├Ąngen. Meine Gedanken kreisen um die Schneekoppe, die in der Ferne vor mir prangt. Und wieder lieg ich da. Wieder ist der Spiegel verbogen, sonst aber nichts passiert. Hoch hiefen, weiter! Selten trifft man Leute auf den Wegen. Mal eine Hundel├Ąuferin, mal ein Bauer mit dem Trekker. Ich gr├╝├če immer freundlich und werde auch gegr├╝├čt. Ein Abschnitt f├╝hrt von superglattem Asphalt ohne ├ťbergang direkt in die tiefsten Schlagl├Âcher mit Sand , Schotter und Ger├Âll, um nach 200m, ebenfalls ohne Ank├╝ndigung wieder zu eben jenem glatten Asphaltweg zu werden, der er vorher war. H├Ą├Ą├Ą! Paralleldimension a la Sergej Lukjanienkos W├Ąchter Epos?

Der n├Ąchste Weg f├╝hrt erst ├╝ber Betonplatten, dann ├╝ber einzelne wahllos verteilte Steinareale um schlu├čendlich in ein gr├╝nes Tunnel mit lehmig – feuchtem Untergrund zu m├╝nden. Man hat die Wahl, von links oder von rechts ausgepeitscht zu werden, so tief h├Ąngen die ├äste der Str├Ąucher und B├Ąume ├╝ber. Der mittige Deichselrein ist auch keine Alternative. Viel zu schmal und rutschig. Auch hier bleibt der obligatorische Umfaller nicht aus. An den Pf├╝tzen laben sich hunderte Schmetterlinge aller Coleur und stieben auf, als ich vorbei fahre.

Bei Kamienna zweigt eine holprige Stra├če zu einem alten Staudamm ab. Laut Karte f├╝hrt der Weg ├╝ber die Staumauer hinweg. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis der Vorsicht. Auch mitdenken und nicht blind der roten Linie folgen. … was ich in dem Fall tue. Die Stra├če f├╝hrt geschwungen ins Tal, die rote Linie aber scheint einem Waldweg zu folgen. Ich demnach auch. Unvermittelt wird der Waldweg zu einem 30cm breiten, steilen Fu├čweg mit Serpentinen, der eher f├╝r eine Beta Alp samt ge├╝btem Fahrer, als f├╝r mich und meine „Dicke“ ist. Ehe ich reagieren kann, bin ich unangenehm straff talw├Ąrts unterwegs. Jetzt keine falsche Bewegung! Der Adrenalinspiegel signalisiert ├Ąu├čerste Anspannung. Der Weg endet auf einer 2m┬▓ gro├čen Wiese. Vor mir der Abgrund, rechts die dicken gelben Rohre des Gel├Ąnders der Staumauer. Und wir stehen auf der falschen Seite dieses f****ng Gel├Ąnders. Keine Chance hier wieder auf den rechten Weg zu gelangen. Wir m├╝ssen zur├╝ck. Aber wie? Ich kann kaum 1m vor und zur├╝ck. Mit aller Kraft hieve ich das Heck der Maschine herum. Arschbacken zusammen gekniffen, Gas und den Abgrund rechts ignorierend hoch und hinaus. Es klappt! Bald hat mich die Stra├če wieder. Sowas kann richtig schief gehen. Im Zweifelsfall lieber absteigen und mal nachschauen, BEVOR eine Umkehr nicht mehr m├Âglich ist!

Auf der Dammkrone angekommen, muss ich erstmal durchatmen, bevor die Sch├Ânheit dieses Ortes mich wieder zur Ruhe kommen l├Ąsst. Im Auslauf der Staumauer tief unter uns spiegelt sich die sinkende Sonne im Wasser. Ein wundersch├Ânes Fleckchen Erde.

Im Wald entdecke ich noch eine ehrw├╝rdige, interessant konstruierte Eisenbahnbr├╝cke. Die Schienen verraten ihr Alter.

Bei Dziwiszow verlassen wir den TET f├╝r diesmal, mit der Inneren Gewissheit, wieder her zu kommen. Jelenia G├│ra wird angesteuert. Die Sonne steht schon tief und ein ums andere Mal bin ich froh ├╝ber die im Helm integrierte Sonnenbrille. Auf gr├Â├čeren Stra├čen genie├če ich wieder etwas mehr Fahrtwindk├╝hlung. In der Stadt herrscht Sp├Ątnachmittagsgewusel. Die nette Tankstellendame f├╝llt mir kostenlos meine Wasserflasche auf. Mit vollem Tank und ein wenig ausruhen auf dem Bordstein im Schatten geht es nun wirklich in die Berge. Wo ich heute zum Stehen komme, wei├č ich noch nicht recht. Karpacz und Kowary m├Âchte ich aber noch hinter mir lassen. Stra├čenzustand und Vorankommen sind passabel bis sehr gut. Karpacz lockt mit Stabkirche, Schneekoppenblick und vielen Restaurants und Stra├čenl├Ąden seine Besucher. Sie genie├čen die angenehmen Temperaturen und die Abendsonne auf den Nasen. Immer weiter hinauf zieht sich die wirklich gute Stra├če gen tschechische Grenze. Horn├ş Mal├í ├Üpa gr├╝├čt als erstes Dorf auf tschechischer Seite seine G├Ąste. Mittlerweile werfen die Kuppen und K├Ąmme der umzingelnden Berge lange Schatten und das satte Gr├╝n der Bergwiesen strahlt nochmal auf, bevor die Nacht kommt. Zeit, sich ein Lager zu suchen. Doch hier ist alles Naturschutzgebiet und die Wege sind nur zu Fu├č oder mit dem Fahrrad erlaubt. So suche ein wenig herum und lande in Pec.

Vor vielen Jahren waren wir mal bei recht nebligen Bedingungen hier zum Ski fahren. Einige lustige Erinnerungen sind doch wieder aus den tiefen der Ged├Ąchtnisbibliothek aufgetaucht und so bekomme ich das Grinsen nicht aus dem Gesicht, w├Ąhrend ich langsam durch den Touristenort zuckel. Am Ende finde ich eine beschrankte Wiese. Ein Parkplatz mit Dixiklo, Imbiss und Kinderspielplatz. Nur ein altes Fiat – Wohnmobil steht noch hier. Perfekt! Hier werde ich mein Tarp aufspannen. Gesagt getan. Als alles gem├╝tlich zurechtger├╝ckt und verzurrt ist, suche ich mir eine Sitzgelegenheit und koche. Es gibt Curry mit H├╝hnchen, Gr├╝nen Tee und ein liebes Gespr├Ąch mit zu Hause. Kurz kommen noch st├Ąndig skypende Eltern mit Kind vorbei. Ein L├Ącheln gelingt allen zusammen nur, wenn es per Selfiefunktion gilt, demjenigen am anderen Ende der Leitung zu zeigen, wie toll hier alles ist. Als die Telefone weggesteckt sind, wird die kleine vom Pferd geholt und unsanft abgef├╝hrt….

So, Essen ist fertig! Leise zischelt der Kocher noch das Teewasser warm. Sonst ist es angenehm ruhig hier. Der Bach pl├Ątschert. Das Curry schmeckt wie immer super. Aufr├Ąumen, Zahnhygiene, Waagerechte!

In der Nacht hab ich Besuch. Eine Schnake hat sich verfangen und macht Radau an der Zeltplane. Ich befreie sie und sehe einige Gl├╝hw├╝rmchen um mich herum. Was kann es sch├Âneres geben.

Auch im Riesengebirge geht im Hochsommer die Sonne fr├╝h auf. Und auch wenn die direkten Strahlen noch von den umzingelnden Kuppen im Zaum gehalten werden ahnt man schon, heute wird ein sch├Âner Tag. Es hat sich erfreulich wenig Tau unter der Plane gebildet, ein paar Spinnen haben sich in die Falten der ausgelegten Packs├Ącke gefl├╝chtet. Wollt ihr mit auf Reisen?

Ultraschnell ist alles verpackt. Mit dem Mosko Moto Reckless – Packsystem bin ich noch nicht so lange unterwegs und doch schon ├╝ber alle Ma├čen begeistert. Das Verpacken geht intuitiv und alles steckt wirklich sicher und flexibel. Obendrein sieht es mMn. cool aus. Nicht ganz so cool, wie die Sanit├Ątertaschen aus Altbest├Ąnden der polnischen Armee, welche an der AWO ihren Dienst tun, aber weitaus sicherer. Auch sturzsicherer, wie ich gestern testen durfte. Eins muss ich auch zugeben und schon im Voraus um Entschuldigung bitten. Diese riesigen Schrankkoffer aus Aluminium, welche manch Tourenfahrer an sein geliebtes Gef├Ąhrt schraubt, finde ich nicht sch├Ân. Vorteil: Jeder kleine Sonntagsausflug ger├Ąt zur Weltreise ;-). Jedenfalls optisch. Au├čerdem habe ich Angst, wenn ich doch mal falle, mit den Beinen da drunter zu kommen und mich schwerer zu verletzen, als mit den Stofftaschen. Ja, sie sind sicherlich praktisch und sicher…

Z├Ąhne putzen nicht vergessen. So. Alles ist startklar. Mal sehen, ob die Schranke mich wieder ziehen l├Ąsst. Visa wird verlangt oder bar. Kronen und Heller hab ich keine. Die Karte wird problemlos erkannt. 11ÔéČ hat mich diese Nacht gekostet. Danke f├╝r diesen naturnahen, ruhigen Flecken Wiese inmitten des Touri – Ortes. Kurz gibt es noch Fake News. Ich schreibe an die Familie, gerade die kleine Elbe ├╝bertreten zu haben. Ein Blick auf die Karte offenbart den Fauxpas. Es ist nat├╝rlich die Upa. Ich revidiere mich zu Hause. Die Elbe entspringt n├Ąmlich in Spindlerm├╝hle. Im werdenden Vormittag genie├če ich die guten, kurvenreichen Strecken.

Mit der Beschilderung komme ich manchmal nicht so recht klar. In einem Kurort stehen ├╝berall Schilder mit „Durchfahrt verboten“ und jede Menge tschechischer W├Ârter zur Erkl├Ąrung. In Deutschland erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich mich ├╝ber die deutschen Verkehrszeichen und Hinweisschilder aufrege. Wer von anderswo soll solche langen Texte denn entziffern k├Ânnen. Naja, das k├Ânnen auch andere, wie mir soeben klar wird. Jedenfalls halte ich an und beobachte die hiesigen Autofahrer, welche fr├Âhlich durch fahren. Also traue ich mich auch hinterher. Beschwingt geht es durch niegelnagelneu aufgezogenen Asphalt. Die Kurven machen bei dem wenigen Verkehr tierisch Spa├č. Pl├Âtzlich eine rote Baustellenampel mit entsprechender Schlange. Vielleicht doch ein wenig zu forsch unterwegs? Der Bremsweg ist recht kurz und ich entscheide mich, an den wartenden vorbei zu fahren und vorn eine L├╝cke auszunutzen. Mit Beiwagen w├Ąre sowas nicht machbar. Ich „verdr├Ąnge“ einen BMW M SUV von der pole position. Wenn das mal gut geht. Geht es nicht! H├Ątte mir klar sein sollen. Fortan h├Ąngt der 2 1/2t Bomber an meinem Schutzblech. Wieder 59 japanische Ponys gegen 500 w├╝tende Lipizanerhengste ? M├╝ssen die irgendwas kompensieren?

Zum Gl├╝ck m├Âchte ich woanders hin, als Fury hinter mir.

Es sind diese kleinen und kleinsten Stra├čen, welche das fahren hier interessant machen, wie ich bald wieder feststelle, als die „Treibjagd“ endlich vorbei ist. Man muss langsam fahren, bekommt daf├╝r auch die Umgebung mit. Einmal deute ich die Karte falsch. Der Weg fetzt. Er f├╝hrt sch├Ân kurvig in den Wald hinein. Gerade, als ich mich auf dem richtigen Pfad w├Ąhne, versperrt ein Hotel meinen Weg. Einer der Kellner sitzt rauchend auf einer Bank. Kaffeepause. Vorsichtig und in der Hoffnung eines positiven Ergebnisses erkundige ich mich, ob dieser Weg hier weiter geht. Er l├Ąchelt und antwortet in flie├čendem Englisch. Ja, es gehe hier weiter, aber nicht f├╝r mich. Das sei hier alles Naturschutzgebiet und deshalb nur f├╝r Wanderer und Fahrradfahrer. Ok. Ein kurzer Gru├č und ich kehre um.

Von hier aus ist die Heimat schon fast zum greifen nah. Doch, man ahnt es schon fast, der Tag will noch fahrenderweise ausgenutzt werden. Tolle Landschaft, Kaiserwetter und Str├Ą├čchen zum Spa├č haben vers├╝├čen uns den Vormittag. S├╝dlich des Zittauer Gebirges bleiben wir auf teschechischer Seite. Hrensko, ein Touristenort in der b├Âhmischen Schweiz soll unser letzter Wendepunkt und Grenz├╝bertritt werden. Der Ort ist bekannt f├╝r seine sehenswerten Felsformationen und Startpunkt vieler Wanderungen zum Prebischtor. Familien, Solisten und gr├Â├čere Gruppen tummeln sich auf der Stra├če. Vorsichtig schl├Ąngle ich mich durch die Menge. Heute hab ich keine Ambitionen mich mit Sack und Pack in die B├╝sche zu schlagen.

An der Elbe angelangt, folgen wir den Hinweisschildern nach Deutschland, Schmilka ist der Grenzort. ├ťber den Bergen ziehen pl├Âtzlich schwarze Wolken von Westen auf. Auch die Temperatur sackt um 10 ┬░C herunter. Fast m├Âchte es mich fr├Âsteln in Anbetracht der sommerlichen Plusgrade der letzten Tage. Jetzt k├Ânnte ich die „Bringmehome – Funktion“ aktvieren, denn von hier aus ist der Weg ein Heimspiel. P├╝nktlich vor dem einsetzenden Gewitter entkomme ich unter dem heimischen Garagendach zum Stehen. Der Z├╝ndschl├╝ssel schnappt auf 0. Was f├╝r ein sch├Âner Ausflug. Erneut bin ich sehr dankbar und f├╝hle mich unglaublich privilegiert, solche Auszeiten zu bekommen und nutzen zu d├╝rfen. Aber ich brauche dieses RAUS! Es ist Teil meines Lebens.

2 Gedanken zu “­čŹÇ Wenn das Wetter Mist ist, kann ich los.

  1. Ja, mein lieber Freund, Reisen und Ankommen ist ein antipodisches Dilemma, mit dem wir so lange leben m├╝ssen, bis wir am Ende unserer Tage ankommen – alt und gebrechlich – und dann nur noch von all den Dingen unseren Kindern und Enkeln erz├Ąhlen k├Ânnen. Und genau das ist das Leben. Also nur zu, raus in die Welt, nur so kommst du an!

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