🍀 Fram og tilbake. Mit der AWO ans Nordkap – 2012 🇳🇴

Tag 6

04.06.12 (194km) Start 7:00 Grotli, Djupvasshytta, Geiranger, Trollstigen, Åndalsnes, Vistdal

Ich wache gegen 4:30 auf und fühle mich unerwarteterweise schön ausgeschlafen. 1°C zeigt das Thermometer an. Es ist grau, still und friedlich hier. Nachts gab es seltsame Geräusche rund um das Zelt. Ich denke, irgendwelche „Viecher“ 🙂 .

Das Frühstück schmeckt , wie wahrscheinlich immer an der frischen Luft und selbst, wenns nichts besonderes ist, besonders gut. Mein allmorgendliches Highlight ist der heiße IM NU ( Muggefugg ) mit ein bisschen Zucker und Kaffeeweißer. Danach packe ich in aller Ruhe zusammen, räume mein bisschen Müll weg und starte in den Tag.

Die Wolken hängen wie Seidentücher um die Berge. Auch hier bei 1 bis 3°C ist mir komischerweise nicht kalt. Das liegt vielleicht an meiner Vorfreude, wer weiß.

Dann das Schild: Geiranger; Trollstigen rechts. Meinen Weg begleiten 2 bis 4m hohe gefräste Schneewände. Der See ( Djupvatnet ) ist zugefroren und mit Schnee bedeckt, so daß man nur erahnen kann, wo er ist. An der noch geschlossenen Djupvasshytta biege ich in Richtung Dalsnibba ab. Mautstation! Ich zahle und fahre flux durch, damit die Schranke es sich nicht wieder anders überlegt. „Diesen Aussichtspunkt sollte man immer mitnehmen!“, höre ich noch so manche Stimme mit Begeisterung erzählen. Aber auch hier zeigt mir der Schnee meine Grenzen. Fast eingeklemmt zwischen gefrästen Wänden fahre ich vielleicht bis zur Hälfte um zu erkennen, hier geht’s für mich nicht weiter. 20 m weiter hinter der nächsten Kurve STEHT eine riesige Schneefräse.

Ich kehre um und weiter geht’s, hinein in einen Waschkessel aus Wolken, Nebel, und Schneeflocken. Hoffentlich fahre ich nicht an Geiranger vorbei, ohne es zu sehen! Nach einigen rasch aus dem Nebel auftauchenden und sehr engen Kurven stoßen wir durch die Wolkendecke, die das Tal überspannt und… AHA… jetzt wird mir klar, warum alle hier hin wollen.

Der Blick ist wirklich grandios, genauso wie die Straße, die ins Tal führt. Jetzt kommt auch die Sonne heraus und spielt mit den Wolken, die sich um die Bergspitzen tummeln. Es wird immer grüner und man meint, vom Winter binnen einer halben Stunde in den schönsten Frühlingstag zu fahren. Das ist viel Input, den ich erstmal verarbeiten muß. An einem Aussichtspunkt mache ich Halt und genieße. Ruhe, Fjord, Berge, Sonne, AWO und ich, hier nach ca. 2700 km, Solche Bilder gehen wahrscheinlich auch nicht mehr aus dem Kopf, jedenfalls hoffe ich, daß sie lange dort bleiben.

Weiter abwärts führt die Straße ins schicke Örtchen Geiranger. Im Souvenirshop kaufe ich 3 Ansichtskarten und schreibe gleich an Freunde daheim.

In einem anderen Einkaufsladen bekomme ich eine norwegische SIM- Karte fürs Handtelefon und von einer sehr netten Verkäuferin bis ins Detail erklärt, was ich zu tun habe, damit alles funktioniert. Nach 2h ist der Kontakt zur Außenwelt wieder hergestellt. Ich gönne mir ein Eis plus einen Ananas-Kokos-Smoothie und sitze bei Sonne am spiegelglatten Geirangerfjord. Noch ist hier bis auf ein paar einzelne Wohnmobile und einen japanischen Touristenbus nichts los, ich denke aber, das wird sich in den nächsten Tagen ändern. Zwischen Fjord und Fels eingeklemmt schlängelt sich die Strasse.

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Kein Schiff ? Doch da kommt ein „großer Weißer“ um die Kurve und ich halte an um zu schauen. Ein Pärchen aus Chemnitz steht mit Kamera bereit zum Knipsen und freut sich über … „ne AWO am Geiranger“.

Da klappts doch noch mit dem Ozeanriesen. Nach einer halben Stunde nähert sich bereits der zweite große Pott. Ich sehe noch ein bisschen zu, wie die beiden umeinander herum „tanzen“. Bei dem heutigen Wetter ohne Wind allerdings ein Schauspiel mit bitterem Beigeschmack … in der Luft , wegen der Abgase. Weiter geht’s Richtung Trollstigen im 2. Gang die Serpentinen rauf. Auf halbem Wege den Berg hinauf halte ich doch nochmal an. Ein weiterer Aussichtspunkt mit einem grandiosen Panoramablick auf Geiranger und den Fjord, den man keinesfalls auslassen sollte.

Den Norddalsfjord mit seinem schwarzblauen Wasser und der kalten, extrem sauberen Luft überqueren wir via Fähre. Es folgen liebliche Täler mit auffallend üppigem Grün. Hier werden sogar Wiesen bewässert. Im Valldalen staune ich über große Erdbeerfelder und blühende Apfelbäume. Auch hier sind die umzingelnden Bergspitzen schneebedeckt.

Ich lasse mir an der nächsten Tanke erklären, daß die Norweger IHRE norwegischen Erdbeeren trotz des schwindelerregenden Preises wegen des vorzüglichen Geschmacks immer den „anderen“ vorziehen.

Trollstigen: Ein wahrer Augenöffner! Als ich am Abgrund stehe bin ich plötzlich froh, runter fahren zu dürfen. Das kann man gar nicht so beschreiben. 1000 m Höhenunterschied! Ich überwinde meine Höhenangst und mache mich zu Fuß auf den Weg. Der führt an einem … äh … künstlerisch gestalteten Gebäude mit Wasserspiel und ohne sichtbare Funktion, bei dem sogar die kunstgewohnten Norweger fragend stehen bleiben vorbei, zu dieser verrückten Aussichtsplattform. Vor mir eine Familie mit einem Vati der das selbe Problem zu haben scheint, wie ich und ein Biker mit Bierkuttel in voller Montur. Die Sonne meint es gut und Gedanken kommen hoch, warum man den Kosmonautenanzug nicht abgelegt hat. Opfer müßen sein. Vor uns versperrt eine Schneewehe den Weg und läßt noch 30cm Platz zu Geländer und Abgrund. Für mein Voraus ist hier Schluß. Er kehrt dampfend um. Zu eng.

Ich zwänge mich durch und hänge mich an die deutsche Familie. Ein Blick von ihm, ein Wort von mir und es wird klar, ich hab richtig getippt mit der Höhenangst. Der Aussichtspunkt führt geschätzte 10m über den Abgrund. Es erwartet uns eine super sauber und annähernd unsichtbar geputzte Glasreling, durch die man alles schön sieht. Ich ziehe die Betonwand mit Sitznieschen vor. An der „herausragendsten“ Stelle macht eine Mädchengruppe von meiner Warte aus gesehen, gewagt aussehende Bilder. Ich denke noch, hoffenlich fällt keine runter.

… Shit … entfährt es mir laut, als ich merke, ich stehe unverhofft auf einer Art großem Grillrost, das freilich die gähnende Leere unter mir frei gibt. Klar bin ich bei den Kids der Lacher. Also „trolle“ ich mich von dort, um die Fahrt ins Tal zu wagen. Ganz schön steil !!!

Krass, hier schinden sich auch Fahrradfahrer hoch. Ich grüße jeden und winke! Das ist das mindeste an Respekt was man den Leuten entgegenbringen sollte. Man ist schier Kurven- und Gefällegesättigt wenn man unten ist und als die Serpentinen wieder in normale Straße übergehen, ist fast Stille um mich rum. Nach ein paar mal schlucken hat sich der Druck in den Ohren ausgeglichen und die „Akustik“ stimmt wieder. Gut, daß ich an diesem recht warmen Tag bei um die 15°C dieses Monument nicht in entgegengesetzter Richtung zu bewältigen hatte.

Die nächste größere Stadt auf meinem Weg ist Åndalsnes am Romsdalsfjord. Dort hole ich mir im KIWI – Markt Fishermans Friend „Mint“, einen Mango – Smoothie und einen Apfel. Die sind so teuer, daß man sie lieber nur einzeln nimmt. Dafür genieße ich ihn um so mehr. Man kann sich auch ne halbe Gurke einpacken lassen, ohne komisch angeschaut zu werden.

Ich möchte mit der Fähre noch nach Molde übersetzen. Als ich in Åfarnes zum Anlegesteg komme, machen die gerade die Klappe zu und fahren mir vor der Nase weg. Zeit, zum verschnaufen.

„Mensch, das gibt’s doch nicht, ne Awo, wie ich eine hatte.“, höre ich jemanden rufen. Andreas, ein deutscher Busfahrer aus dem brandenburgischen der hier lebt und arbeitet, kommt freudestrahlend auf mich zu und kanns gar nicht fassen. „Ich hab im Bus gesessen und im Rückspiegel diese gelbe 6 Volt – Funzel gesehen. Ich hab gleich gedacht, das kann nur ne alte DDR – Kiste sein.“ Da er Linienbus fährt und auch auf die nächste ankommende Fähre wartet, um die Leute die mitkommen auf die Dörfer zu verteilen, haben wir schön Zeit zum erzählen. Ehe ich michs versehe, bin ich in sein Heim eingeladen. Er gibt gleich fernmündlich seinem Sohn zu Hause die Anweisung, in der Hütte den Boiler anzuwerfen, damit ich dann warmes Wasser zum duschen hab. Ich bin komplett platt. Mal sehen, wann ich einmal etwas von soviel Gastfreundschaft zurück geben kann. Wir machen aus, daß ich ihm folge und dort anhalte, wo er seine Frau, aussteigen läßt. Es folgt eine für mich recht rasante, für norwegische Busfahrer aber völlig normale Fahrt am Langfjorg entlang. Da fahre ich das erste und einzige Mal 80 km/h mit dem Beiwagenkardan. Unterwegs ein kurzer Stop. Er hat vergessen, ein Päckchen bei einer Butykk ( Laden ) abzugeben. Da mit dem Bus das Umdrehen schwierig ist, übernehme ich die Botenfahrt gern und gebe es ab. Zuhause angekommen lade ich ab. Conny zeigt mir die schöne, gemütliche, alte Hütte und geht dann den Rasen mähen. Als ich zum Fenster hinaus gucke, wird mir klar, daß ich erneut an einem wunderschönen Flecken Erde rasten darf. Sie haben es echt schön hier in Vistdal. Heut steht noch folgendes an: mit dem Trekker ( Fordson Dexta ) einen Bulli mit Anhänger den Berg hoch schleppen, den täglichen Service an der AWO (Kerze, Vergaser, Magnet, Ventile, Radlager, Öl ) erledigen, ein längeres nettes Gespräch mit Rene´ mit wieder jeder Menge Tips, und ein Besuch von Andreas Bootsstegbaustelle. Seine Kids sind klasse. Der Sohn hat Soljanka gemacht und die Tochter begeistert mich mit der wohl besten Mischung aus typisch brandenburgischem Slang und perfektem norwegisch. Nach dem Essen geht’s in die Hytta. Noch ein sehr liebes Telefonat mit Anja und die Augen fallen zu. Manchmal hab ich echt zu tun mein Tagebuch zu schreiben, weil es mich so sehr in die Waagerechte zieht.

Technisches:

Kardan fängt leicht an, zu schwitzen … ein kleiner Lappen um die Ablassschraube hält bis nach Hause dicht, weil ich dauernd irgendwas mit Öl hab, bin ich bei Rene´ unter „Ölbernde“ abgespeichert ;-), Ventilspiel kontrolliert … leicht nachgestellt, Radlager geprüft … kein Spiel


Tag 7

05.06.12 (423 km) Start 6:00 Vistdal, Eidsvåg, Molde, Elnesvågen, Bud, Kristiansund, Halsa, Trondheim, Vikhammer

Nach einer regnerischen ( draußen ) und himmlischen ( drinnen, schlafend ) Nacht präsentiert sich der Langfjord als Spiegel, über dem jemand Watte aufgehangen hat. Meine Gutste war schön zugedeckt und es ist nix naß geworden. Packen und los.

Ab 6:00 sind wir in Richtung Eidsvåg unterwegs. Ein Blick zurück in Dankbarkeit für die schöne Bekanntschaft und das trockene Plätzchen. Schon nach den ersten 5 km merke ich hier wäre mir eine tolle Strecke entgangen ( wahrscheinlich wie an so vielen anderen Stellen in diesem Lande, aber man kann nicht alles schaffen ). Andreas kommt mir früh schon mit seinem Bus entgegen und wir winken uns nochmal wie wild zu. Nach ca. einer halben Stunde Fahrt läuft mir ein Dachs über den Weg und ich werde langsamer. Der läßt sich gar nicht stören. Knapp 100m weiter: ein Elch ( übrigens der einzige auf der ganzen Reise ) kreuzt sehr kurz vor mir die Straße. Ganz schön Verkehr hier und gut, daß ich wegen des Dachses abgebremst hatte.Mit Elchen verhält es sich so, daß man trotz der vielen Schilder „Store Elgfare“, „Große Gefahr vor Elchen“ entweder nie einen zu Gesicht bekommt oder man direkt in einen rein fährt. Ich hatte Glück und durfte nur zusehen, wie er gemächlich meinen Weg kreuzte.

Seit gestern mache ich mir Gedanken über meine Bilder. Da ich, was plötzlichen Datenverlust auf den neuen Speichermedien angeht ein gebranntes Kind bin, bin ich auf der Suche nach einer Möglichkeit alles nochmal zu sichern. In Elnesvågen an einer Shell – Tanke gerate ich in ein sehr nettes Gespräch mit der Verkaufsdame. Während sie mir Pølse mit Bacon, einen heißen Kakao und „Aunt Mabels“ Muffins mit Schokostückchen zurecht macht, ist ruckzuck wieder eine halbe Stunde verplaudert. Sie gibt mir den Tip, mal in der Bücherei nach nem Rechenkasten zu fragen, wo man die Bilder sicher überspielt bekommt.

Nach der Stärkung verabschieden wir uns lachend und ich fahre zur Bücherei, gleich neben der Schule. Die hat aber noch zu und so nehme ich die nächste Tür, auf der „ABC“ draufsteht. Der Nachhilferaum. Ein verdutzter Blick des Nachzuhelfenden und eine kurze Erklärung der Lehrerin leiten mich zum Nebengebäude. Die Schule. Ich spreche vorsichtig die erste Schülerin an, die ich im Foyer sitzen sehe. Sie findet mein Begehr wohl lustig und bringt mich lächelnd zum Sekretariat, wo ich abermals Rede und Antwort stehe. Eine Lehrerin nimmt mich interessiert ins Schlepptau durchs Gängelabyrinth der sehr künstlerisch gestalteten, innen bunten Schule. In einem kleinen Raum voller kaputter PCs wird mir geholfen. Ein junger Kerl nimmt meine Karten an sich und packt alle Bilder schön auf eine leere, neue Karte. Während der Rechner meine Bilder sichert, reden wir über deutsche Autos . Verwundert ist er, als ich auf seine Frage meines deutschen Lieblingsautos mit „ 81´er Ford Taunus Kombi“ antworte. Er mag Audi am meisten hält aber weniger von Opel. So, alle Bilder sind nun doppelt vorhanden und nichts ist verloren gegangen. Ich freue mich, er sich auch. Nach einem Händedruck und „Gute Reise!“, finde ich mich aus der Schule wieder heraus und fahre erleichtert weiter.

Es geht straff Richtung Atlantik. Ah, Meer liegt in der Luft. Ab dem kleinen Örtchen Bud schlängelt sich die Straße mehr oder weniger direkt am Atlantik entlang. Highlight hier für mich ist ein Aussichtspunkt, der nur durch „The Ford – Country“, einen schrottplatzartigen Autofriedhof für die verschiedensten Ford – Modelle von alten Ami´s über Taunus – Badewanne, Weltkugel – Taunus, Granada und einen mattschwarzen Vorkriegs – BMW – Hotrod – Pickupumbau mit Sheriffstern zu erreichen ist. Natürlich zieht mich das Meer an, wie die Mücken das Licht. Es ist sagenhaft. Diese Stille. Wiedermal keine Leute, nur Meer, AWO , frische Luft. Bei dem klaren Wetter kann man zig Kilometer weit den Blick schweifen lassen.

Bist du in den Bergen und endlich oben, siehst du wieder nur Berge. Meer ist halt ……….. , aber weiter……. . Eines der wohl am meisten geknipsten Bauwerke Norwegens ist wohl diese, auf dem Atlanterhavsveien befindliche, imposant geschwungene Brücke, die sich wie eine große Welle förmlich aus dem Wasser hebt.

Auch ich mache meine Bilder. Eigentlich bewegt sich die Strasse ab hier brückenförmig hüpfend von einem Inselchen zum nächsten fort. Kann man irgendwie nicht anders beschreiben. Die See ist ruhig. Was wird wohl hier los sein, wenn die Wellen ein paar Meter hoch durch die Brücken und an die Straße kommen? Vor einem der tiefsten Tunnel der Welt ( es geht 250 m unter dem Meer durch, verdammt steil runter und auch wieder rauf; im 3. Gang mit Hängen und Würgen ) halte ich nochmal an einem Kreisverkehrähnlichen Parkplatz an.

Dort sind ein Haufen Kiddies unterwegs. Es dauert nicht lange und ein vielleicht 12 jähriger Junge spricht mich an. Erst auf norwegisch, dann, als ich mich auf englisch entschuldige nichts zu verstehen, in recht gutem englisch. Nach einer weiteren Minute ist die ganze Klasse um mich versammelt und wir unterhalten uns 4 sprachig, deutsch, englisch, norwegisch und mit Händen und Füßen. Ich habe die Idee, ein Bild zu machen und ein Mädel kommandiert in zackigem norwegisch innerhalb von Sekunden die gesamte Klasse samt Fahrrädern rechts und links neben mein(e) Gefährt(in). Das Bild wird schön. Ein kurzes Gespräch mit der rasch herbeigezerrten Lehrerin und wir machen aus, daß ich es via email an die Klasse schicke. Dann knattere ich, wie bisher immer nach nur einmal kicken ( bin begeistert ) los.

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Die Tunnelmaut, die dort im Gegensatz zu Deutschland oftmals nur so lange erhoben wird, bis das Teil bezahlt ist, nimmt mir ein freundlicher Glatzkopf mit einem herrlichen Kaiser – Wilhelm – Bart ab. Er fragt wie alt mein Motorrad ist und ist entzückt über die „fiftiesix“, die er zur Antwort bekommt.

In Kristiansund ( Kristiansünn gesprochen ) tanke ich mal wieder. Schätze ich werde so bei um die 5 bis 6 l/100km rauskommen. Ein holländisches Ehepaar spricht mich an, freut sich über das Gespann und, daß ich exakt den selben Weg in anderer Richtung fahre wie sie. Nach der Freifjorddurchquerung, Maut zahlen und falsch über die schöne Brücke fahren, kehre ich wieder um, über die Bücke zurück. Ich hätte eigentlich müßen nochmal zahlen, aber der Herr winkt mich nach ein zwei erklärenden Worten, den richtigen Weg betreffend kostenlos durch.

Ein Hinweisschild, an dem ich kurz halte, um einem Afrikaner Feuer für seine Zigarette zu borgen sagt mir: E39 Richtung Trondheim links. Auf dieser Straße werde ich bis kurz vor Trondheim bleiben. Auf einer kurzen Fährüberfahrt erfahre ich von einem jungen Norweger, der für die Ölindustrie arbeitet, einige interessante Sachen. So z.B. daß die allermeisten Norweger vor lauter Scham wegen Breivik am liebsten im Boden versinken würden, daß seine Heimatstadt Ålesund vor vielen Jahren fast vollständig abgebrannt ist und durch Hilfslieferungen, die Kaiser Wilhelm veranlasste, komplett im Jugendstil wieder aufgebaut wurde. Auch, daß die Nazizeit eine der dunkelsten Zeiten in der Weltgeschichte war. Viele, besonders ältere Norweger werden sehr still, und wollen nicht darüber sprechen. Ich kann ihm nur uneingeschränkt Recht geben und in dieser Beziehung meine Scham ausdrücken. Und JA verdammt, es kommt auch heute noch gut an, sich für den schlimmsten weißen Abschaum deutscher Herkunft zu entschuldigen auch, wenns für manche schon ach so lang her ist !!!!!!!!

Er ist trotz seines jungen Alters sichtlich überrascht und erfreut. Umso herzlicher mit kräftigem Händedruck ist die Verabschiedung. Es folgt eine Fahrt entlang des Vinjefjords. Am Omnfjell fahre ich rechts vorbei. Ein wenig Müdigkeit schleicht herbei, springt auf ( bei 60 Sachen kein Problem ) und läßt erst wieder bei einem Halt an einer sehr schönen Raststätte mit Dachbegrünung und Currywurst mit heißem Kakao von mir ab.

Inzwischen habe ich meine, ab Kristiansund mindestens 5 mal an und wieder ausgezogenen Regensachen anbehalten. Ich empfinde es als schön, daß sich das Wetter endlich mal entscheiden konnte. Zwar für leichten Niesel aber DAS stört keinen großen Geist. Mich auch nicht. Ab Trondheim werde ich dann wieder mit eitel Sonnenschein belohnt. Achtung, der Sonnenbrannt schlägt hier schnell zu!

In Vikhammer, etwas hinter Trondheim am Strindfjord miete ich bei einer Dame mit Bonny Tyler – Stimme Hytta Nummer 15 für 450 NOK. Mit tollem Blick auf den Fjord. Meine Hüttennachbarn sind Fahrradfahrer aus Leipzig. Sie schaffen am Tag 80-100km… HIER….. Wahnsinn und Hut ab! Noch den täglichen Service an der AWO erledigt, dann lecker Fencheltee und SkinkeOst aus der „Zahnpastatube“. Viel brauche ich nicht.

Als Tagesabschluß gibt’s eine 15- minütige 4 – Minuten Dusche, weil der Chipautomat mich wohl nett findet. Mein Fazit bei einem Bildbandreifen Sonnenuntergang lautet: müßte ich jetzt wegen irgendeines Defektes oder etwas anderem heim, wäre ich nicht enttäuscht, denn knapp 3000 der schönsten Kilometer meines Lebens sind gefahren. Die bis jetzt gemachten Eindrücke bringen meinen Kopf schier zum überlaufen!

Technisches:

Zündung kontrolliert und etwas nachgestellt ( von kurz vor OT in Richtung erster ZP Marke ), Lichtmaschinenschraube ( die mit dem Linksgewinde) war locker … festgezogen, rote Leitung von Lichtmaschine hat irgendwo gescheuert und hatte kurz Masse, Ladekontrolle ging an … Kabel repariert und sorgfältiger verlegt


Tag 8

06.06.12 (449km) Start 6:00 Vikhammer, Steinkjer, Grong, Mosjoen, Leira

Der Tag beginnt, wie der vorige ausklang, nämlich mit herrlichem Sonnenschein. Auf dem Campingplatz schlafen alle noch und verpassen, wie die Natur erwacht. Ich schlage die große Richtung Narvik ein. Hier ist die Gegend weniger rau. Viel Landwirtschaft, was mich natürlich interessiert. Auch die Vegatation ist anders hier als bei uns.

Da es ein halbes Jahr nicht richtig hell wird muß sich die Natur in dem restlichen halben Jahr umso mehr beeilen. So hat das Gras eben nur die halbe Zeit wie bei uns zum wachsen. Dafür geht’s durch die hellen „Nächte“ aber doppelt so schnell.

Noch vor Steinkjer hab ich den 1. Kontakt mit der Polizei. Die fährt bestimmt 15 km hinter mir her. Hoffentlich ist das Licht an und ich fahre vorschriftsmäßig. Weil die sich so lange Zeit nehmen, kriege ich Bedenken. Dann fahren sie langsam neben mich. Jetzt winken sie mich raus, denke ich noch, aber nein, die beiden lächeln freundlich und winken mir zu. Also keine Angst 🙂

Lange Zeit zieht sich die E6 an einem See entlang. Heute hab ich mal wieder Mukke im Ohr. Ein hörenswertes potpourrie aus Guano Apes, Manowar, Tarja Turunen, Ramones und Anne Clark läßt die Kilometer schrumpfen.

In Grong tanke ich. Wenn man den Schildern glauben darf, ist hier ein guter Platz zum Angeln. Aus der Tanke kommt ein Typ mit nem Softeis und obwohl mir nicht gerade mollig ist, leckerts mich unheimlich. Ich zahle das Benzin, nehme noch zwei Äpfel (40NOK) und bestelle so ein Eis. DAS war das leckerste Softeis, das ich während der ganzen Reise gegessen hab! Fast hätte ich mir noch eins geholt, aber das trägt ja auch nicht gerade zum innerlichen warm werden bei. Die einheimischen laufen hier trotz der frischen Temperaturen kurzärmelig herum.

Unterwegs sehe ich eine Herde Rentiere, die erst neugierig guckt, mir dann langsam den Hintern zu dreht und im Gebüsch verschwindet. Mein Foto „Rentierherde mit AWO“ hab ich im Kasten. An der nächsten Tankstelle braucht nicht die AWO schon wieder Kraftstoff, sondern ich. Einen Redbull bitte. Tusen takk! Dort spricht mich ein Trucker an. Es folgt ein sehr netter Small Talk mit dem wichtigen Hinweis, ich solle unbedingt die RV17 Richtung Bodö nehmen. Im nachhinen war das einer der besten Tipps ! In Mosjoen tanke ich bei strömendem Regen an einer unüberdachten Tanke, biege anschließen falsch ab und fahre fast bis Aufles in die falsche Richtung. Egal, Wetter ist tolles schottisches ( der Regen fällt fast lotrecht ; passendes Zitat aus Braveheart ), also machen die paar Kilometer mehr auch nichts. Wieder in die richtige Richtung unterwegs biege ich in Kulstad auf die RV 78 ab, Ein braunes Schild macht mich schlauer. Helgeland Kystvegen steht da zu lesen. Und der Name kommt nicht von ungefähr. Es ist wirklich toll zu fahren, kurvenreich, absolut unlangweilige Aussichten und die ab und zu durchblinzelnde Sonne bringt ein faszinierendes Lichtspiel auf dem Vefsnfjord, so daß meine Müdigkeit wieder verfliegt.

Irgendwo zwischen Remnes und Leira liegt „Kvitnesset Camping“. Es hängen zwei Schilder am Weg. Eines sagt „frei“, das zweite sagt „belegt“. Ich glaube dem ersten und fahre auf den Platz, wo die Hytten stehen. Es ist glaub ich nach 8:00 abends und keiner ist zu sehen. Eigentlich möchte ich hier bleiben. Da kommen vier Schweden vom Wasser herauf und wir kommen sehr schnell in ein sehr lustiges Gespräch. Sie haben heute gut gefischt und das hebt die Stimmung. Einer erklärt, daß alle Hyttas belegt sind, ruft aber gleich den Besitzer Reidar Eriksen an. Er kommt! Es stellt sich heraus, daß auch er Landwirt ist und wir die gleichen Traktoren (John Deere und MF ) haben.

Mein heimlicher Wunsch sich mal mit einheimischen Landwirten austauschen zu können, wird doch noch erfüllt. So vergessen wir die Frage der Unterkunft und widmen uns den Fachfragen. Nach einer ganzen Weile sagt er, er hat für mich bei seinem Kumpel 20km weg beim nächsten Campingplatz eine Hytta reservieren lassen. Ich meine nur, ich könne nicht mehr so weit fahren und vielleicht gibt’s noch ne andere Lösung. Er lacht und meint zum Scherz ich könne ja in der BBQ – Hütte schlafen. Dafür kann er selbstverständlich kein Geld verlangen und ich wäre der erste der dort schläft. Gerne nehme ich das Angebot an und wir verständigen uns auf nen kleinen Obolus fürs duschen. Die Hütte ist cool, mit Strom, Grill in der Mitte und Panoramablick auf den Fjord und die Hinterteile der „sieben Schwestern“ (eine Bergkette) ,wie er erklärt.

Die Schweden sind am Wasser, in einem kleinen Raum und filetieren dort den heutigen Fang. Dorsch. „Aah de tyske motorsykkelist“ , werde ich begrüßt, als ich mal neugierig bin. Von Rechts wegen darf jeder 15 kg mit heim nehmen. Aber dieses Jahr war der Fang „etwas“ reichhaltiger, sagt einer mir zuzwinkernd.

Als ich mich zurückziehen will, werde ich unverhofft noch zum Fisch essen eingeladen. Fangfrisch zubereitet mit Salz und Pfeffer, Kartoffeln, gebratenen Zwiebeln, heller Soße und Rotwein, sowie, was nie fehlen darf, Knäckebrot, Butter und Wasser. Wir essen und trinken zusammen. Es geht von einem Thema (alles in englisch) ins andere und die Stunden fliegen dahin. Als Delikatesse zum Nachtisch darf ich zwei Scheiben eines wie von selbst auf der Zunge zergehenden, sehr aromatischen Stückes geräucherten Fleisches probieren. Das Herz eines selbst erlegten Elchs, erklärt mir einer. Wirklich delikat. Wann kriegt man als gewöhnlicher „Außerirdischer“ schonmal sowas angeboten.

Die Zeit: es ist gefühlt nachmittags halb 6, tatsächlich bewegen wir uns straff auf 0:00 zu. Ich verabschiede mich unter vielen „Danke“ und zurückgegebenen Glückwünschen in meine Grillhütte. Keinen Bock mehr, den Schlafsack rauszuwühlen. Heute tuts auch das Schaffell und die ersten 3 Akkorde vom Album Machina the machines of god von den Smashing Pumpkins. Guts Nächtle!

Technisches:

Zündung wieder etwas später gestellt, da die Vibrationen vom Motor härter wurden, sämtliche Ölstände geprüft … ok


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