🍀 Fram og tilbake. Mit der AWO ans Nordkap – 2012 🇳🇴

Tag 13

11.06.12 (228 km) Start 6:00 Hammerfest, Skaidi, Olderfjord, Honningsvåg, Nordkap, Skarsvåg

Der Nordkaptag bricht an. Tag 13 und ich mache mir beim Frühstück auf dem MP3 – Spieler aus dem Unheilig – Album „Große Freiheit“ den Titel 13 „Fernweh“ an. „Ferne Welt ich komme, ich kann deine Himmel sehn …“, singt der Graf. Ich sitze mittendrin und finde das Lied ultrapassend! Etwas aufgeregt bin ich schon, aber es liegen auch noch ein paar einzelne Kilometerchen hier und da herum, die bewältigt werden wollen. Der Kocher erledigt seinen Job wie immer ohne Mucken, nachdem ich gestern abend aus der AWO noch etwas Benzin abgezapft hatte. Danach das Standardprozedere. Waschen, Zähne putzen (das nördlichste Zähne putzen in freier Natur in meinem bisherigen Leben), Zelt abbauen und alles verstauen. Fertig. Los! Die Strecke zieht sich hin. Zunächst recht unspektakulär ( für norwegische Verhältnisse ), dann schlängelt sie sich teils gewagt an der Küste des Porsangerfjords entlang.

Mein Thermometer zeigt 8-12 °C und ich friere wie ein Schlosshund. Komisch, die 4°C auf dem Strynefjell haben mir doch auch nichts ausgemacht. Ignorieren, öfters mal anhalten und ein paar Liegestütze machen. Die so schon recht „übersichtlichen“ menschlichen Spuren werden hier noch sperlicher. Von Smørfjord bis Honningsvåg gibt es kaum 5 Dörfer. Zwischen Olderfjord und Honningsvåg sollte man auch nicht grade mit dem letzten Tropfen Benzin ohne Reserve unterwegs sein. Da das Kap auf der Insel Magerøya liegt, gab es bis vor einer Weile eine Fähre. Jetzt gibt es einen Tunnel. 6km lang, über 200m tief und mautpflichtig. In Honningsvåg das, seit es als Stadt anerkannt ist, die eigentlich nördlichste Stadt Europas ist wird, wie so oft, an einer Shell getankt. Es gibt endlich wieder Pølse mit Bacon und heißen Kakao zum durchwärmen.

Ready … Steady … Go! Auf zum Kap, in den Nebel. Kurz vor Skarsvåg fahre ich geradeaus, statt links abzubiegen. Ich lande in einer Sackgasse am Meer. Das kann nicht das Nordkap sein :-).

Auf dem Rückweg sehe ich vor dem kleinen, nett aussehenden „Nordkap Touristhotel“ einen Motorradfahrer an seiner BMW – Reisemaschine mit deutschem Nummernschild stehen und schwenke auf den Parkplatz ein. Er freut sich und erzählt, daß er sich vom Kap runterschleppen lassen mußte, weil seine Gummikuh nicht mehr anspringen wollte. Heute, am zweiten Tag hier ist das selbe Wetter. Ohne Aussicht, etwas am Kap zu sehen. So läßt er sich vom Hotelier in eine Halle schleppen. Dort wird er versuchen, den Fehler zu finden und zu beheben. Der Hotelmanager möchte gleich wissen, wo ich her komme und winkt ab, als ich „Hammerfest“ sage und meine erfolglose Suche nach einer Unterkunft, sowie die vielen Baustellen beschreibe. Er meint dazu nur: „Ich denke manchmal, die wollen dort gar keine Touristen, noch jemand anderen haben und unter sich bleiben.“ und schmunzelt. Ein Zimmer inkl. Frühstück und die Chance auf ein Abendbrot sichere ich mir gleich und verabschiede mich vorerst. Dem Biker wünsche ich viel Erfolg bei seiner Fehlersuche.

Von Skarsvåg aus sind es jetzt noch zirka 12 km bis an den Wendepunkt meiner Reise. Es geht fast die ganze Strecke bergan und quer über die Insel. Den Namen hat dieses Eiland nicht umsonst. „Mager“- øya. Sieht genauso aus, wie sie heißt. Kleine Seen zwischen Fels und Geröll, kein Baum, niedriges Gras, wieder Geröll und … hatte ich schon Geröll erwähnt?

Ab geschätzt 300m Höhe über NN verschwindet die Straße recht plötzlich in einer Nebelwand. Willkommen am Nordkap. Gerade fährt das Hinweisschild zum Kap Knivskjellodden, dem wirklich nördlichsten Punkt an uns vorbei. Gerade noch so erkannt in dieser Suppe. Also weit kanns nicht mehr sein. Die Spannung steigt. Aus dem weißen Nichts taucht das Mautterminal auf. Ein Ticket gilt 2 Tage. Der junge Mann ist begeistert von meiner Gutsten und da sowieso nichts los ist, quatschen wir eine ganze Weile. Nebenbei bemerkt er ( wenn ich ihn richtig verstanden hab ) seine Mutter hätte auch ein Motorrad mit den selben Tankemblemen, aber der Rahmen wäre anders. Das kann ja nur eine Touren-AWO sein. Dieses Gespräch hätte man noch vertiefen sollen. Ich frage noch, wie ich DIREKT zum Globus komme. „Normalerweise gar nicht“, meint er lächelnd, aber ich solle doch mal 10 m zurück rollen, die Busspur entlang fahren und kurz vor der Nordkaphalle rechts um das Gebäude herum fahren. Dann würde ich schon sehen. Thanks a lot!

Durch den Nebel sehe ich zwar nichts, aber finde meinen Weg und werde auch nicht behelligt. Hier ist top Wetter: 4°C, straffer Wind von der Seite und Nebel mit aktuell 5m Sicht. Also genau das richtige Wetter für Grog mit Glysantin. „Thats Norway“, denke ich und finde es total klasse, egal ob man was sieht oder nicht.

Ich postiere uns vor dem Globus und mir entfährt ein Freudenjauchzer: „YES“. Einer macht für mich das Beweisfoto. Dann spreche ich mit einem Fahrradfahrer, der es die über 3000km von Deutschland bis hier hoch geschafft hat. Wahnsinn!

Und ich?

Nordkap? Erreicht!

Wir haben es wirklich 5180km bis hier her super zusammen ausgehalten und technisch gab es nichts, was uns hätte stoppen können. Ein erhebender Moment, den ich erst in der Halle richtig realisiere. Auf der Treppe sitzend und draußen den Nebel beobachtend, führe ich ein sehr emotionales Telefonat mit zu Hause. Langsam realisiert man, daß es schon etwas ganz besonderes ist, nach dieser gewaltigen Strecke gesund hier stehen zu können. Jetzt geht’s ans schreiben. Viele Adressen sind abzuarbeiten und warten auf ein Zeichen. Nach über einer Stunde kommt der Fahrradfahrer wieder vorbei und freut sich, weil ich immer noch schreibe. Im Souvenirshop kaufe ich dann ein (Touristen-)Rentierfell, andere Mitbringsel für daheim und bringe gleich nicht ganz ohne Stolz den gekauften „Nordkap“ – Aufkleber am Beiwagen an. Ganz in Ruhe schaue ich mir den ganzen Komplex mit Kino, Restaurants, Museum etc. an, esse noch ein Eis und lasse beim Blick aus dem Fenster die Gedanken schweifen.

Mal sieht man gar nichts, dann klart es wieder auf und gibt den Blick bis zum Globus frei . Der Wind treibt immer neue Wolken und Nebelschwaden heran und am Fenster vorbei. Gestört werden meine Gedanken nur durch laut sprechende, etwas genervt aussehende Bustouristen. Zum Herkunftsland schweige ich. Nur soviel, es wird deutsch gesprochen… . Sie regen sich über eine nicht ganz volle Tasse Kaffee Latte auf und texten die wirklich sehr nette Bedienung zu, was das soll. Ich höre wieder WEG.

Ein paar erfroren aussehende Motorradfahrer treten durchs Portal in die Halle, sehen mich sitzen und sprechen mich direkt an. „Bist du das mit der AWO? Wir dachten schon, wir können heute den Tagestitel „ältestes Motorrad am Kap“ für uns verbuchen. Aber nee, wir kommen an und direkt am Eingang steht so ne alte Kiste!“ Sie lachen los. Es folgt der übliche nette Informationsaustausch und die beiden bringen ihre Verwunderung und Hochachtung dem durchhalten „der alten Kiste“ gegenüber zum Ausdruck.

Nachdem ich einige Stunden innen und außen verbracht habe und alle Briefe im Maul des roten nördlichsten Briefkastens Festlandeuropas gelandet sind, schicke ich mich an, wieder ins Tal hinab zu steigen. Doch gerade kommen einige Busse an und ich muß noch eine Weile deutschen und italienischen Touristen Rede und Antwort stehen.

Zwei Biker aus dem bayerischen kommen auch noch hinzu und auch hier gibt’s natürlich was zu quatschen. Ich erzähle von dem gestrandeten Gummikuhfahrer und seinem Problem. Die beiden gucken sich wissend an und meinen fast zugleich: „Hallgeber“ und „jaja die kochen alle nur mit Wasser“. Vom Gelände runter nehme ich den offiziellen Weg. Tschüß Nordkap! Es wars wert her zu kommen! Ungefähr auf halbem Weg nach unten gibt es einen Halteplatz, an dem man sich mit einem Rentier und einem Einheimischen zusammen knipsen lassen kann. Dieses „Event“ übergehe ich und fahre zum Hotel.

Es ist inzwischen Nachmittag. Der Mann an der Rezeption begrüßt mich fröhlich. Er läuft mit Gehhilfen; ein Schneemobilunfall. Wir unterhalten uns und ich checke für eine Nacht ein.

Vom anderen Motorradfahrer ist noch nichts zu sehen, er bastelt immer noch. Nachdem ich meine Sachen verstaut, die AWO klar gemacht und schön warm geduscht habe, geselle ich mich zu den anderen in die Lounge. Dort läuft gerade DMAX. Die Mythbusters testen gerade ob ein rotes Auto bei einem Unfall weniger Schäden aufweist, als ein weißes. Ein kleiner Junge guckt nur halb zu und freut sich wie die beiden wiedermal ein paar Autos schrotten, während er auf einem Ipad im Internet surft.

Das hier ist nicht das Ende der Welt. Es gibt sicher an einem entlegenen Ort im Brandenburgischen oder in Mc Pomm Stellen, an denen man um ein vielfaches mehr „offline“ ist, als hier. Eigentlich wollte ich auf den anderen Biker warten , damit wir hätten zusammen essen und noch bissl erzählen können. Aber keiner weiß, wann er fertig sein wird. So bestelle ich. „Was darfs denn sein?“, fragt die Köchin. „Was empfiehlt denn die Köchin?“, frage ich zurück. Sie antwortet mit dem typisch nordnorwegischen Charme, mit strenger Stimme und einem Zwinkern, daß sie natürlich das teuerste empfiehlt. „Ok“, zwinkere ich zurück, „aber dann was lokales“. Rentier mit Gemüse, Kartoffeln und Preiselbeeren plus ein Glas Rotwein. Wasser gibt’s soviel man möchte kostenlos dazu. Das Essen ist in kürzester Zeit zubereitet, schmeckt sehr vorzüglich ( besonders das sehr saftige Fleisch ) und ist für mich viel zuviel. Ich schlinge es nur noch aus Geiz rein und weils so lecker ist. Am Fenster sitzend genieße ich das Essen und bin neben der Familie der Kellnerin der einzige Gast. Ein Auto mit österreicher Kennzeichen fährt vorbei, kehrt um, die Leute steigen aus und kommen ins Restaurant. Sie setzen sich an den Nachbartisch und sind sich nicht einig, ob des Essens. Ich empfehle Rentier! Das nehmen sie auch und sind sehr zufrieden mit ihrer Wahl. Wir tauschen einige Gedanken aus. Sie wollen noch weiterfahren.

Nach einer Weile zahle ich ohne Witz 370 NOK für mein Essen. Dafür MUSS es einfach lecker gewesen sein! War es auch und es war um keine einzige Krone schade! Wir verabreden noch, daß ich früh zeitig losfahren werde. Sie bereiten mein Frühstück vor und bringen es noch auf mein Zimmer. Erst gegen 9 kommt der BMW – Fahrer ziemlich k.o. und dreckverschmiert aber mit einem grinsen auf dem Gesicht zurück. Auf dem Flur werden noch ein paar Worte gewechselt. Er hat den Fehler gefunden. Der Hallgeber. Ich schmunzle in mich hinein, erzähle ihm von den Leuten am Kap und daß sie die selbe Ferndiagnose gestellt hatten. Er sieht wirklich fertig aus und meint, morgen früh erstmal richtig ausschlafen zu wollen. Wir wünschen uns erstmal eine geruhsame Nacht und morge gute Weiterreise. Ich ziehe mich zurück und gucke noch aus dem Fenster. Draußen fängt es an zu regnen. Das Bett ruft, im MP3 – Player wartet schon Toni Krahl und City mit „Unter der Haut“ auf Lautstärkestufe 3. Aaaaaaah …Absolut herrlich zum abschalten und in Gedanken nochmal über die Klippen zum Kap fliegen. Ich liege einfach da und bin selig.

Leute, macht sowas auch! Fahrt ( am besten mit der AWO ) an einen schönen Ort eurer Wahl und nehmt Eure Lieblingsmusik mit.

Technisches:

Ventilspiel geprüft … ok, Magnet geprüft … alles ok, Getriebe und Kardan etwas Öl aufgefüllt, bis hierher wurde 27 mal getankt 🙂


Tag 14

12.06.2012 (352km) Start 6:00 Skarsvåg, Nordkap, Lakselv, Karasjok, im Nirgendwo kurz vor Ivalo

Nach einer draußen regnerischen, drinnen traumlosen Nacht schaue ich aus dem Fenster und was sehen meine verschlafenen Augen? Frau Sonne gibt sich die Ehre. Eigentlich sollte mich mein Weg wieder weiter südlich bringen, aber vielleicht gebe ich dem Kap noch eine Chance? Erstmal wird in Ruhe gefrühstückt. Frisches Brot, Auflöseschokolade, Honig und einen komisch aussehenden sehr leckeren Käse. Doch die Sonnenstrahlen locken und ich beeile mich beim zusammenpacken.

Draußen realisiere ich erst, daß kein Wölkchen am Himmel ist und meine Freude steigt. Noch ein schnelles Foto. Motiv: AWO mit Nordkaphotel bei Sonne. Ich entdecke die Insel nochmal ganz neu und der Anblick ist ein komplett anderer, als am Tag zuvor. Die grauen Hänge schimmern plötzlich rötlich grün. Die grauen Seen scheinen über Nacht das graue Wasser gegen tiefblau wellendes getauscht zu haben und selbst die Steine sind nicht mehr alle nur grau, sondern leuchten aus dem erdfarbenen Untergrund hervor. Das Hinweisschild zum Kap Knivskjellodden ist nicht mehr nur ein rasch wieder im Nebel verschwindendes Etwas, sondern gibt die Zufahrt zu einem Wanderparkplatz frei, der auf einer Art Hochebene liegt. Selbst der wirklich nördlichste Punkt ist klar und deutlich zu sehen und hebt sich aus dem umgebenden Wasser hervor. Die Pforten zu Nordkap sind um die Uhrzeit noch geschlossen. Natürlich nehme ich wieder die Busspur. Auf dem offiziellen Touristenparkplatz sind auch ein paar Autos und Motorräder zu sehen. Zwei Moppedfahrer grüßen von weitem. Wir knattern ums Gebäude herum und … Ja ich will nicht meckern, bei Sonne ist es auch ganz gut.

Nein im Ernst, bei Sonne ist es, wenn man den Vergleich zu gestern hat, wie ein ganz anderer Platz an dem man sich befindet. Wer das Meer liebt, wird diese Aussicht nie mehr vergessen !

Sonne lacht, Blende acht, denke ich mir und mache viele wunderbare Fotos. Zwei Biker mit einer profimäßig aussehenden Kameraausrüstung, mit denen ich ins Gespräch komme versichern mir, erst vor ca. einer Stunde habe es aufgeklart. Sie hätten auf der Lauer nach dem perfekten Licht gelegen, waren um 12, um 2 und um 3 am Globus, aber es war nix zu machen. Keine Mitternachtssonne. Dafür aber jetzt eine ganz tolle Sicht und klarer Himmel. Ich bin irgendwie gerührt, daß ich das Nordkap auf zwei so verschiedene und schöne Arten erleben darf.

So denke ich an die vielen, etwas enttäuscht aussehenden Bustouristen, die gestern an den 2 Stunden Aufenthalt ihrer Meinung nach nichts gesehen haben, außer daß der Kaffee Latte zu wenig drin hatte und zu teuer war. Dabei finde ich auch heute in „einer anderen Welt“ wieder die gleiche Stelle mit den kleinen rosa Blümchen, die sich direkt am Abhang zwischen den Felsen ans Licht quetschen schöner, als das Glas und den Stahl des Gebäudes. Am Horizont ziehen Wolken heran. „In ein zwei Stunden kann hier schon wieder alles dicht sein. Gut, daß wir so früh los sind.“ , höre ich einen sagen. Das gleiche Gefühl hatte ich heute früh auch und muß wieder an den Motorradfahrer im Hotel denken. Hoffentlich schläft er nicht zu lange aus. Dann verpasst er auch an seinem 3. Tag hier die schöne Aussicht.

Nun gehts aber endgültig wieder in Richtung Süden, aber nur weils nach Norden nicht weiter geht. Wäre da eine Brücke, die 600 km Luftlinie bis Svalbard ( Spitzbergen ) wäre ich auch noch gefahren, das hätte jetzt auch keinen großen Unterschied mehr gemacht 😉 . Die See liegt da wie ein Spiegel und läd zum Steine „titschern“ ein. Bei wärmenden Sonnenstrahlen fahren wir die Küste entlang in Richtung Lappland. Eigentlich ist der ganze Norden Lappland, aber Karasjok, wohin meine große Richtung zielt, ist die „Hauptstadt“. Die erste größere Stadt ist Lakselv. Wenn man in die Stadt hineinfährt, sieht man zunächst gar keine Häuser. Alles ist zwischen vielem Grün und Bäumen eingebettet. Man sieht zwar Schilder, die auf dies und jenes hinweisen, aber erst im Zentrum wird es „stadtähnlich“. Tanken, Eis essen, Kakao. Mein Ritual ;-). Am Rande eines Gewerbegebietes fahre ich an einen Yamaha – Laden ran, aber die haben gar keine Reifen. Tja, Schneemobile brauchen das ja auch nicht. Auf dem Parkplatz steht ein wunderschöner orangener Gran Torino. Da stellen wir uns gleich daneben und machen ein Bild.

Es ist jetzt sehr warm und irgendwie ärgere ich mich, daß ich soviele Sachen anbehalten hab. Wieder anhalten. Gerade da klingelt das Telefon. Sorry Anja, der Anruf lief irgendwie nicht so gut. Ich liebe dich trotzdem!!! Bei Karasjok denke ich an die Rentierzüchterin aber ich hab ja mein Fell schon am Nordkap mitgenommen. So halte ich mich in Richtung Straße 92 und finnische Grenze.

Ich betrete wieder EU – Territorium. In Finnland gehen die Straßen wesentlich länger geradeaus, als in Norwegen. An einem schönen Halteplatz mit weiter Sicht über die sanften Hügel und den Wald gibts einen Red Bull, ein paar Minuten chillen und eine Begutachtung des Hinterreifens, der mir immer mehr Sorgen macht, Zwar ist noch nicht ganz „Glatze“ aber er reißt längs an manchen Stellen auf. Des weiteren entsteht hier eines der für mich schönsten Bilder der Reise. Es heißt „Zwiegespräch“ und zeigt, wie verbunden ich mich mittlerweile mit meiner Gefährtin fühle. Es sieht aus, als ob wir uns unterhalten.

Weiter geht es durch schier endlose Wälder in Richtung Ivalo. Ach ja, Finnland ist anders. Wenn man denkt, man könne aus den Worten, die da irgendwo an Schildern (außer Städtenamen) stehen, irgendeine Bedeutung ableiten, hat man sich aber geirrt. Worte mit Doppel – i oder Doppel – ö oder gar zweimal Doppel – i in einem Wort sind absolut normal. Ich glaube das Finnische ist noch vor Mandarin die schwierigste Sprache der Welt. Dafür braucht man das Geld nicht umzurechnen. Der Euro ist Landeswährung.

Ca. 30 km vor Ivalo entdecken wir einen schönen Camping – und Hüttenplatz. Die nette Dame in den Mittfünfzigern, mit Kopftuch empfängt mich an der Rezeption und ich miete eine Hütte mit Dusche. Als erstes schließe ich mich aus. Nach einem Lachen und der Übergabe des Generalschlüssels erzählt mir die Dame, was es mit dem kleinen Knöpfchen am Schloss zu tun hat. Aha, kapiert! Die Hütte ist nett eingerichtet, mit doppelter Tür und Fenstern, sowie mit Mückenschutzöffnungen. Zurzeit wird das noch nicht so gebraucht, aber ich denke noch 2 bis 3 Wochen und hier summt es in der Luft, so direkt am Wasser und dem Wald. Der Service an der AWO und das häusliche Einrichten sind heut schnell erledigt. Noch die Plane drüber, es sieht nicht nach Regen aus, aber sicher ist sicher. Nach einer erfrischenden Dusche gibts noch was zu essen.  Als ich aus dem Fenster gucke, kommt ein ausgewachsenes Rentier, der Größe nach ein Bulle um die Ecke und mitten zwischen den Hütten durch, schrickt etwas vor der AWO und einem anderen Auto zurück und rennt weiter. Cool!

Technisches:

Magnet ausgebaut und Entlüftungsschieber begutachtet / gesäubert, Zündkerze geprüft … ok


Tag 15

13.06.12 (523km) Start 6:30 30km vor Ivalo, Ivalo, Rovaniemie, Aavasaksa

Ich hatte mich doch getäuscht. Denn in der Nacht hat es kräftig geregnet. Ein bisschen nieselt es immer noch. Gut, daß die AWO zugedeckt war. Nach dem „Ideal Standard“ – Frühstück sind schnell ( ja, so langsam kommt Routine in die täglichen Handgriffe ) alle Sachen zusammengeschnürt und es kann los gehen. Der Schlüssel landet wieder in der Box. Wie schon angedeutet, fährt es sich in Finnland anders. Viel geradeaus. Die Straßen sind durchaus passabel, wenn man nicht gerade mit Starrahmen unterwegs ist. Auch die Natur zeigt sich wandlungsfähig. Ist es bedeckt, sieht alles gleich aus, nämlich grau. Kommt aber die Sonne heraus, gibt es den „magic colour – effect“ und selbst die kleinste gerade geöffnete Birkenknospe prahlt mit sattem Grün.

Die Menschen hier sind freundlich, aber meiner Empfindung nach noch zurückhaltender gegenüber „Außerirdischen“ . Noch ein wichtiger Unterschied: an der Tanke gibts jetzt keine „ Aunt Mabels“ Muffins mit Schokostückchen mehr und der Kakao liegt in Tütchen da, oder wie daheim in der Blechdose. Man kann sich selber in die Tasse schaufeln und heißes Wasser drüber schütten. An einem Point – S Reifengeschäft gibts auch keinen passenden Reifen, ABER einen Hinweis, daß im Hauptlager in Rovaniemie etwas für mich liegt. Das passt ja, ich fahre da sowieso hin. Es ist noch ein Weg bis dahin, aber es wartet Hilfe.

Eigentlicher Grund des Weges in die größte Stadt Nordfinnlands ist ja der Weihnachtsmann. Denn der wohnt da und kann besucht werden. Als ich um drei ankomme, ist nur der Souvenirshop offen und er selber wahrscheinlich gerade am Nordpol. Außer ein paar japanischen Mädels, die Pic Pic Pictures machen und auch wegen der AWO belustigt sind, ist nix los. Und irgendwie will sich bei 20°C und Sonnenschein auch keine so rechte Weihnachtsstimmung bei mir einstellen. Also Good Bye Santa, Hello City.

Dort pulsiert wieder das Leben. Viele Läden, viele Leute, viel Verkehr. Haufenweise Straßen, deren Namen man als gewöhnlicher „Otto Normal – Tourist“ nur schwer über die Lippen bringt. Englisch funktioniert tadellos und so bekomme ich in einem Restaurant mit angeschlossener Tankstelle einen kostenlosen und sehr ausführlichen Stadtplan. Die Kassiererin bittet noch eine ältere Dame um Hilfe. Sie weiß, wo sich die Straße befindet und zusammen zeichnen sie mir den Weg ein. Ich bedanke mich recht herzlich, fahre nach „Plan“ und verfahre mich prompt, weil anscheinend auch manchmal Straßen über Parkplätze führen und man die Einfahrt leicht übersieht. Mein Fehler! Aber 10 vor 4 fahre ich auf den richtigen Shop zu und werde sogar noch kurz vor Arbeitsschluß bedient.

Genau 1 , in Worten EIN einziger Reifen 3,25×18 ist auf Lager. Michelin. Total egal. „Selbst aufziehen ?“, fragt der Verkäufer. Ich antworte zwar mit Ja, doch ich kann gar nicht so schnell gucken, da wird meine „alte Lady“ schon aufgebockt, Rad ab, Reifen runter, Reifen rauf… Mist; Reifen, falschrum … nochmal… . Trotzdem bin ich keine 20 Minuten und 88,00 Euro später wieder bereit für weitere 8000 km ;-). Auf jeden Fall bis heim! Ölwechsel wird auch gleich noch gemacht. Nachdem mich ein VW – Händler auf meine Frage hin, ob ich ihm ( natürlich gegen Bezahlung) meinen Liter Altöl überlassen kann, mit „Wir haben geschlossen!“ abblitzen läßt, werde ich beim Nachbarhändler (Hyundai) gern und sehr nett trotz Feierabend aufgenommen. Ein Montuer bringt mir gleich Pappe zum unterlegen und Saugtücher. Er weicht mir nicht von der Seite und wir unterhalten uns, als ob wir uns schon eine Weile kennen würden. Das Altöl nimmt er nur ohne Bezahlung, aber mit einem Lächeln an und macht sogar meine kleine Schüssel wieder blitzblank sauber. Viele Wünsche auf den Weg und die Fahrt geht „frisch geölt“ weiter. Wir verlassen die Großstadt in südlicher Richtung, nehmen dann aber eine etwas kleinere Straße (Nr.930), die sich sehr gut fährt. Auf der Karte sind zwar „ Orte“ eingezeichnet, doch davon sieht man abgesehen von Straßenschildern, die scheinbar in den Wald hinein zeigen, nicht viel.

Die Abendsonne, gibt nochmal alles, um mir die Fahrt so angenehm wie möglich zu gestalten. Das Grün ist fast so satt wie bei uns im Frühling. Die Bauern sind auf den Feldern beschäftigt, Ein schöner Kontrast zu der Tundralandschaft, die schon ein Stückchen hinter mir liegt. Dort war Landwirtschaft nun wirklich nicht mehr möglich. In Aavasaksa finde ich nach etwas durchfragen einen, auf einem knapp 300m hohen Hügel gelegenen Aussichtspunkt mit angeschlossenem Camping – und Hüttenplatz, sowie einem Skilift. Der junge Mann bietet mir sein bestes Haus an. Kamin, Sauna, Dusche, Sat – TV. Alles da und urst gemütlich. Was wird das wieder kosten? 50 Euro ruft er auf und ich bin positiv überrascht. Nehm ick! Die Sauna und der Fernseher bleiben zwar ungenutzt, aber nice to have. Mücken gibts hier gratis dazu.

Der Service ist heut, nur unterbrochen, um einmal komplett „Ballistol stichfrei“ aufzutragen, schnell erledigt. Da die heutige Tour sehr lang war, falle ich auch gleich ins Bett. Das wars für heute. Wir haben den Nordpolarkreis wieder in südlicher Richtung, dieses mal auf dem Landwege überquert und werden ihn (so hoffe ich) das nächste Mal mit meiner lieben Anja überschreiten.

Technisches:

Ölwechsel, Hinterrad Mantel gewechselt, Magnet und Kerze geprüft …ok, Zündung und Ventilspiel kontrolliert…ok, leichte metallische Geräusche … beobachten und weiterfahren


Tag 16

14.06.12 (349km) Start 6:30 Aavasaksa, Haparanda, Jävre

Aufwachen! Die Sonne lacht. Halb 5 pelle ich mich aus dem Bett. Es bricht ein herrlicher Tag an. Kein Wölkchen, ein blau, daß es fast weh tut und sehr angenehme Temperaturen warten nur darauf, den Tag zu einem wunderbaren Reisetag werden zu lassen. Ein Katzensprung bis zur schwedischen Grenze und über einen mächtigen, ruhig dahin strömenden Fluß. Der Tana ist in dieser Region der Grenzfluß zwischen Schweden und Finnland. Ihm folge ich in südlicher Richtung auf der schwedischen Seite. Trotz der Unaufgeregtheit, mit der die Wassermassen an uns vorbeiströmen, hat man den Eindruck, daß unheimliche Kraft unter der Oberfläche steckt. Ebenfalls wie auf einem Fluß lasse ich mich auf der E99 in Richtung Haparanda „treiben“.

Die Gemütlichkeit wird aber jäh unterbrochen, als ein Baustellenschild auftaucht und sowas wie „schlechte Straße“ verkündet. Schotterpiste wäre wohl das bessere Wort. 2 mal für jeweils 10km hoppelts nicht nur ganz schön, sondern ich werde auch noch von unten naß. Damit es nicht so staubt, haben die da irgenwelches Zeugs versprüht, das aber auch nicht wieder trocknet. Die ganze Karre, mich eingeschlossen, ist binnen weniger Minuten so verdreckt, wie auf der ganzen Fahrt bisher nicht .

In Haparanda tanke ich und kaufe Zahnpasta. Die andere liegt wohl behütet in Finnland in der ersten Hütte. Es sprechen mich gleich mehrere Leute an. Einer hat erst gestern den Motorradführerschein bestanden und findet jetzt wahrscheinlich jedes Bike toll. Er ruft gleich die gerade aussteigenden Polizisten herbei, ob sie so was schon mal gesehen hätten. Während ich mein leckeres Daim Pistazieneis (He, warum gibts das eigentlich nicht bei uns?) esse und mich mit den Polizisten unterhalte, ist gleich wieder eine halbe Stunde verquatscht. Verhaftet werde ich auch nicht. Hab ja den neuen Reifen drauf und Licht geht auch.

Wieder halte ich mich an der E4 in Richtung Umeå. In Raneå mache ich nochmal einen „Schlenker“ und fahre eine Route an einem Fluß entlang. Von weitem sieht dieser ja ganz gemächlich aus, aber als ich auf der Brücke stehe, sehe ich, daß die Strömung sehr stark ist. Es geht durch den Wald eine Schotterpiste entlang, Diese ist aber topfeben und fährt sich fast wie eine Asphaltstraße. Über Boden in Richtung Luleå halte ich schließlich wieder auf die E4 zu. Diese Straße fährt sich gut und ist fürs erste nicht so eintönig wie ich befürchtet hatte.

Die Sonne bringt wieder Farbe ins Spiel. Hier tut sich grün und gelb vor dem blau des Himmels besonders hervor. Da die Straßenführung sagen wir mal nicht so „schwierig“ ist, wie in Norwegen werde ich schneller müdiglich. Daher wähle ich meine Musik etwas „straffer“. Green Day, Bullet for my Valentine und die geliebten Guanos müßen wieder ran. Dann übermannt es mich doch und es gibt einen 15 minütigen 5 Minuten – Schlaf auf einer Wiese. Los hoch! AWO fahren! Sagt jemand … Klar gerne, nur die Augen müßen noch auf gehen. Ein paar Mal sehe ich mir unbekannte, taubengroße Vögel mit langen gebogenen Schnäbeln und braunem Gefieder am Straßenrand, die vom Geknatter hoch schrecken.

In Jävre schließlich suche ich mir eine Bleibe. An der Shelltanke direkt an der E4 ist auch gleichzeitig die Rezeption eines Hüttendorfes, Einer netten Frau mit flotter blonder Kurzhaarfrisur (ich glaube DAS könnte die typische Durchschnittsschwedin aus dem Fernsehen sein, wenn man auf solche Typisierung steht 😉 ) lege ich meinen „Hüttenwunsch“ dar und daß ich nur noch Dusche und Bett brauche. Sie hat ein Einsehen 😉 und nachdem 600SEK den Besitzer gewechselt haben, fahren wir zu dem Platz rund 300m von der Tankstelle entfernt. Mich erwartet eine sehr saubere Anlage mit neuwertigen Hütten und tadellosem Interieur samt Veranda, Dusche und Küche. Noch ein kurzer Plausch und sie fährt wieder zurück. Da ich heute etwas eher „Schluß“ gemacht habe, bleibt bei bestem Wetter genug Zeit, um dieses eklige salzig, klebrige Gelumpe von dieser Baustelle von AWO und Klamotten abzuwaschen. Ich bin ja nicht so der Putzfanatiker, aber das Zeug mußte runter. Wer weiß, sonst hätte das Aluminium vom Beiwagen vielleicht ein Loch gehabt, wenn ich zu Hause angekommen wäre.

Ja, was ist noch so passiert? Achso, die norwegische Telefonkarte ist runter. Aufladen geht hier in Schweden nicht ohne Weiteres und selbst der Aufladeservice geht nicht mehr anzurufen. Könnte ich gleich in die Ecke schmeißen…. ABER wir haben ja Urlaub und alle Zeit der Welt, etwas neues zu besorgen. Nun noch schnell unter die Dusche gesprungen und dann ist Feierabend.

Ein Zitronenmelisse – Teechen mache ich mir noch, haue mich hin und gucke den Kultfilm von den Wachowsky Brüdern. Animatrix. Laßt mal noch 50 Jahre vergehen und auch dieser „Science fiction“ – Anime wird so nahe an der Wirklichkeit sein, daß einem jetzt schon bei dem Gedanken daran die Gänsehaut den Nacken hochkriecht. Denn eigentlich wissen wir alle, der Mensch ist kein Säugetier. Seinem Verhalten nach ähnelt er eher einem Virus. Er zieht in (oder besetzt eine) bestimmte Region, verändert sie zu seinem (und nur seinem) Vorteil, beutet sie aus und wenn nix mehr zu holen ist, zieht er weiter.

CUT

Tut mir leid, bin abgeschweift. Zähle ja auch dazu und muß nicht den Apostel spielen, sondern mir selber an der Nase ziehen.

Technisches:

Kerze geprüft…ok, Dreck abgewaschen, mechanisch lauter werdender Motor (Beobachtung von gestern) ist unverändert. Tippe mit meiner wenigen Erfahrung darauf, daß der Kolben vielleicht etwas kippelt


Tag 17

(312km) Start 6:30 Jävre, Umeå, Hörnefoss, Norbyn Husum in Schweden

Der morgentliche Start gelingt mir um 6:30 bei Sonnenschein. Aber es zieht sich zu. Den Schlüssel gebe ich an der Tankstelle ab. Skelefteå lasse ich nach dem Kauf einer neuen schwedischen SIM – Karte hinter mir. Bin jetzt wieder zu erreichen. Eigentlich geht es immer geradeaus. Hinter Umeå, mache ich einen kleinen, aber schönen Abstecher an die Ostsee über Hörnefors und Norbyn. Es ist eine schöne Strecke im Grünen. Am Ende liegt ein kleiner Hafen mit Blick auf die See und die kleinen vorgelagerten Inseln. Im Dorf muß ich anhalten, weil mir ein „Fairlane“ Coupe ins Auge sticht. Ein kurzer Schwatz mit dem Besitzer und schon gehts weiter.

tag17 4

Gerade als ich mir anfangen will, eine Bleibe zu suchen, macht es laut Knack und der Beiwagen fängt an, zu schleifen. An der ersten Parkniesche ca. 50m weiter bleibe ich stehen, schiebe das Gespann in den Schatten und schaue nach. Bestimmt die Feder gebrochen. Doch mit nichten. Die vordere Beiwagenaufnahme ist gebrochen. Was nun? ADAC!

Aber halt, auf der anderen Seite der Straße sind doch Briefkästen, da müßen auch Leute wohnen. Vorsichtig überquere ich die E4 und bewege mich in Schleichfahrt einen kleinen Weg entlang. Da kommt mir ein Herr mit nem Cross-Moped entgegen, hält an und ich bitte um Hilfe. Er fängt an zu telefonieren. Kurze Zeit später kommt auch sein Bruder mit Frau herbei und alles wird begutachtet. Schließlich fahren wir noch 100m weiter bis zu seinem Hof und wollen das Boot reparieren. Die beiden dachten, die Aufnahme wäre, wie das Boot, aus Aluminium und deshalb hat Assar einen Verwandten angerufen, der Alu schweißen kann. In der Zwischenzeit räumen wir den Beiwagen aus. Alle sind belustigt über die vielen Sachen, die im Boot Platz hatten und nun überall rum stehen. Das Boot ist recht schnell demontiert und das kaputte Teil ausgebaut. Es ist aber kein Alu. Nur normales Blech. Ich sehe auch und bin erschrocken, daß 6 Speichen am Beiwagenrad gebrochen sind. Ich glaube nicht, daß die alle auf einmal kaputt gegangen sind und obwohl ich oft nachgeschaut habe, sind diese mir entgangen. Es war auch schlecht zu sehen, da die Köpfe alle auf der abgewandten Seite waren und die Speichen noch noch in ihrer Position hingen. Da kommt der „Aluschweißer“ im feinsten Zwirn mit dem Auto angebraust. Es ist mir peinlich, daß er extra von der Feier weg geholt wurde. Er meinte nur, daß das überhaupt gar kein Problem sei und man doch helfen müße. Da es aber nur „black iron“ sei, könne das Roland, Assars Bruder machen. Der war Berufsschweißer und kann das! Er selbst fährt aber nicht gleich wieder zu seiner Festivität zurück, sondern läßt sich noch in aller Ruhe über die AWO und meine Reise unterrichten. Rolands Frau hat sich einen Stuhl geholt und schaut dem Treiben zu. Bald ist das Teil geschweißt und „… müßte bis nach Hause halten…“, sagen die beiden. Also alles wieder zusammenschrauben und einräumen. Ich bedanke mich herzlich und sie lassen mich mit meinem Haufen Sachen alleine. Du kommst klar? Ja!

10min später kommt Assar aber wieder und sagt, ich müßte noch mit essen und „follow me“. Ich betrete aufs neue ein fremdes Haus, in das ich völlig ohne zu fragen eingeladen werde. Es ist sehr gemütlich und wir sitzen im Wintergarten. Zu essen gibts einen Auflauf mit Fisch und Kartoffeln, sowie Milch und Knäckebrot mit Butter. Alles ist sehr wohlschmeckend. Er versteht mich gut, kann aber selber nicht so gut englisch. Trotzdem ist eine Stunde schnell verquasselt. Er war auch mal Bauer und das ist ein gutes Thema. Später verabschieden wir uns und nachdem ich meine restlichen Sachen verstaut habe, geht es weiter. Tusen Takk Roland und Assar Eriksson.

So richtig Lust hab ich heute nicht mehr und mein Soll ist auch geschafft.

So nehme ich den nächsten Campingplatz dankbar an. Mosjön Camping bei Husum. Kaum abgestiegen spricht mich gleich ein Herr an und meint, daß alte Simsons sehr rar sind in ganz Skandinavien. WOW. Der erste auf der ganzen Tour, der meine Gefährtin bei ihrem richtigen Namen kennt und nennt. Das sage ich ihm auch freudig überrascht und er freut sich ebenso. Die Hütte ist mit 640 Kronen recht teuer und nicht gerade der Knaller. Ich hole noch Bettwäsche dazu. Das kostet nochmal 80 Kronen Aufpreis. Dusche, WC und Küchenzeile sind vorhanden, aber nicht allzu gemütlich. Zweckdienlich allemal. Der Boiler ist mit knapp 5 min warmem Wasser zum duschen auch nicht gerade überdimensioniert. Dann eben kalt. Das weckt die Lebensgeister und so finde ich nach AWO – Service und Abendbrot noch genug Kraft, um Tagebuch zu schreiben und nach Hause zu telefonieren.

Technisches

Beiwagenaufnahme gerissen … geschweißt, 6 Speichen am Beiwagen gewechselt, alle Speichen kontrolliert, Öl, Motorengeräusche unverändert, Anspring- und Fahrverhalten auch


2 Gedanken zu “🍀 Fram og tilbake. Mit der AWO ans Nordkap – 2012 🇳🇴

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