🍀 Fram og tilbake. Mit der AWO ans Nordkap – 2012 🇳🇴

Tag 18

16.06.12 (337km) Start 6:30 Husum, Sundsvall, Gnarp, Gränsfors, Bergsjö, Jättendal, Hudiksvall, Enånger

Nach einer gut durchschlafenen Nacht gehts am Morgen wieder wie gewohnt, ja schon fast routiniert los. Packen, in Ruhe essen, Zündung an und los tuckern. Der Hüttenschlüssel verschwindet in einem Loch am Rezeptionsgebäude und schon rollen wir wieder auf der E4 gen Süden nahe der Ostseeküste. Durch die Stadt Timrå hindurch stinkt es ziemlich eklig bei einer Fabrik. Später erfahre ich, das war eine Papierfabrik. Gleich darauf folgt Sundsvall. Für Sonnabend früh ist hier schon ganz schön viel Verkehr. An einer Shell freue ich mich schon auf heißen Kakao mit Milch, genehmige mir eine Rumkugel mit Haferflocken und packe Pistazienschnecken für unterwegs ein. Weiter gehts ohne, in Worten OHNE Vorkommnisse bis Gnarp.

Das kanns doch heute noch nicht gewesen sein! Die nächstbeste Ausfahrt nehmend, schlage ich mich „in die Büsche“. Mal sehen was es in Schweden außer der E4 als Mittel zum Zwecke des reisens noch so zu sehen gibt.

Kaum abgefahren kommt ein braunes Schild. Gränsfors Bruks Axe Museum steht zu lesen. Was für ein Zufall. Da geht man jahrelang mit einer legänderen Gränsfors Bruks Axt in den Wald und freut sich, daß sie wie Butter auch durch harte Äste geht und irgendwo in Schweden biegt man mal willkürlich ab und kommt direkt zu Fabrik und Museum. Schon im Ort realisiere ich, daß (wiedermal) Samstag ist und die Fabrik sowie das Museum geschlossen haben. Am Museum steckt der Schlüssel, aber es ist abgeschlossen. Beim Nachbarn frage ich nach und er holt sogleich seine Frau herbei. Sie winkt mich hinter sich her und meint sie habe auch den Schlüssel fürs Museum. Sie zeigt mir alles. Am Ende drückt sie mir noch „Das Buch der Äxte“ in Deutsch, mit Geschichten und Erklärungen rund um die Manufaktur kostenlos in die Hand.

Als ich schon los will, geht ein Mann ins andere Gebäude wo „Shop“ dransteht. Hat also doch etwas geöffnet, denke ich und laufe hinterher. Der Mann stellt sich als Australier vor und möchte die Äxte nach „Down Under“ importieren. Zusammen mit dem Verkäufer kommen wir 3 schnell ins Gespräch. Es geht um AWO, Äxte und ob es in Australien keine guten zu kaufen gäbe, so daß er dafür um die halbe Welt reisen müße 😉 . Ein Mitnimmsel für zu Hause ( handgeschmiedeter Kerzenständer) wird auch noch gekauft. Wieder am Gespann spricht mich ein älterer Herr in fließendem Deutsch an. Wir geraten in ein sehr interessantes Gespräch und es stellt sich heraus, daß er der ehemalige Besitzer der Fabrik und im Ruhestand ist. Er hat trotzdem noch ein wachsames Auge auf das Gelände, wohnt er doch gleich um die Ecke. Nach guten Wünschen auf meinen Weg verabschieden wir uns und weiter gehts.

Auf der E4 entgeht einem die wirkliche Schönheit Schwedens aber sowas von komplett!

20 oder auch 50km Umweg lohnen IMMER, Hier ziehen sich um diese Jahreszeit kilometerweit blühende Lupinenteppiche am Straßenrand entlang. Eine Augenweide! Ab Bergsjö halte ich mich auf der Straße 307 wieder Richtung „graues Band“ (E4) . Nach einer Weile fängt es ziemlich bindfädenartig an zu regnen. In Iggesund tanke ich und wundere mich noch, daß alle Campingplätze belegt und so viele Kinder unterwegs sind. Später stellt sich heraus, daß in der Nähe eine riesige Kinderfußballveranstaltung ist.

Mitten im Wald an der Straße steht ein Häuschen mit einer roten Anzeige. Ist das eine Waage? Warum auch immer diese dort steht, ich kehre um und fahre auf die Plattform. 480kg wiegen wir zusammen. Macht 400kg für das Gespann inkl. allem was mitfährt, exklusive mir 🙂 . Weiter geht es im Regen bis Enånger. Auf dem dortigen Campingplatz werde ich sehr freundlich empfangen, es ist aber „nur“ noch ein Stugor (Haus) frei. Das kostet 800Kronen und ist sehr schön. Hier käme es einem zu Gute, wenn man in der Gruppe reisen würde. Dann könnte man sich rein teilen. Aber der Gastgeber hat ein Einsehen und gibt mir wenigstens die Bettwäsche umsonst, anstatt 120 extra Kronen zu verlangen. Abendbrot gibts heute frisch zubereitet vom Campingplatzbesitzer. Flundra mit Mauke ( Kartoffelbrei ) und Gemüse plus Preiselbeeren. Dazu gibts Heidelbeersaft.

Eine junge Familie kommt auch noch. Sie haben die kleine Hütte gemietet. Sie ist Schwedin, er Engländer und gerade eben hat England bei der EM gegen Schweden verloren. Sie und die Tochter hielten zur schwedischen Mannschaft und er zu seinen Landsleuten. Zündstoff in der Family 😉 . Wir geraten in ein sehr angenehmes Gespräch und als ich meine guten Erfahrungen schildere ist sie sichtlich stolz auf ihre Landsleute. Wie überall gäbe es aber auch hier nicht so schöne Sachen, die ich ja aber nicht erleben mußte. Genau so wäre es in England, erzählt der Mann.

Je weiter man aufs Land hinaus kommt, umso herzlicher wird im allgemeinen der Umgang, Erst reserviert, doch wenn gespürt wird, man hat das Herz am rechten Fleck und verhält sich nicht wie die Axt im Walde, wird es umso freundschaftlicher. In der Stadt sind alle so „busy“. Beschäftigt; und am meisten mit sich selbst. Es ist schön hier und die Zeit vergeht. Die Kleine bekommt gerade ihre Waffeln mit Eis und Apfelmus. DAS leckert mich natürlich auch und so essen wir kurze Zeit später „stereo“. Das Mädel guckt erst verdutzt, warum auf einmal der „Fremde“ auch Waffeln mit Eis bestellt, freut sich dann aber, als sie sieht wie gut es mir schmeckt. Ich verabschiede mich einstweilen und gehe duschen. Diese befinden sich rustikal in einem ehemaligen Pferdestall sind aber super sauber und der Besitzer hat mich schon vorgewarnt, daß die ersten 3 min nur kaltes Wasser kommt . Als ich fertig bin, wartet die Familie schon. Sie wollen auch zu Bett und noch schnell Zähne putzen.

Nach einem sehr lieben Gespräch mit zu Hause (dort sind 27°C und Lukas mäht mit dem Trekker den Rasen) mache ich meine Aufzeichnungen und sinke in den Schlaf.

Technisches:

Speichen kontrolliert …ok, Ventilspiel kontrolliert … ok, Vergaserüberwurfmutter festgezogen, Rundumkontrolle auf Brüche, fehlende Schrauben etc….ok


Tag 19

17.06.12 (289km) Start 6:30 Enånger, Söderhamn, Gävle, Uppsala, Märsta

Start bei bedecktem Himmel. Es regnet aber nicht mehr. Mal sehen, was also der Tag bringt. Gleich biege ich falsch ab und darf zur „Strafe“ noch 20 km schöne Landstraße genießen. Bei Hagsta ist es mal wieder an der Zeit zu tanken. Diesmal gibts einen Apfel, heißen Kakao und ein nicht so ganz leckeres Würstchen. Die Verkaufsdame ist maximal 1,50m groß und schaut etwas bärbeißig drein. Nach meiner Bestellung und Bezahlung und noch ein paar Fragen zur Strecke schaut sie schon freundlicher aus. Es ist ja auch noch früh am Morgen.

Draußen spricht mich ein Mann an und verwickelt mich in ein Gespräch über die AWO und das Wetter. Es soll schlecht werden. Regen von Südwesten. Cool, da muß ich hin. Vorsorglich werden alle Regensachen angezogen, denn es kommen wirklich schwarze Wolken hinter den Bäumen hoch. Das tollste ist, ich hab vor zwei Tagen meine etwas regenfesteren Stiefel ganz unten ins Boot gestopft und muß nun diese schieten Überschuhe anziehen. Mir schwant schon, daß es mit den Dingern nicht lange gut gehen wird. Keine 10 min später fahre ich in den Regen. Nach 20 weiteren Minuten sind meine Schuhe trotz Überschuhen erst naß, dann Aquarien mit 2 mal 5 frierenden „Fischen“ darin. Handschuhe? Dito! Nach mehr als 170 km in feinstem Schottischen Regen ( fast lotrecht, Bindfäden, auf der Straße Blasen schlagend) hab ich keine Lust mehr und die „Fische“ in meinen 2 Aquarien sind ertrunken. Das nächste Hotel ist meins.

Im Arlanda Quality Hotel checke ich schließlich ein, nachdem ich vor dem Eingang des riesigen Komplexes mit angeschlossenem Shoppingcenter wütend meine schieten Überschuhe in die Tonne knalle. Mitleidige Blicke fliegen mir zu, als ich als näßester Deutscher des Tages mit komischen Geräuschen aus meinen Schuhen durchs Entre´ stapfe.

I´m looking for a warm dry place, please for me and my motorcycle. Der Mann an der Rezeption überreicht mir die Karte für Raum 605 und informiert mich, daß ich die AWO auf den gesicherten Gästeparkplatz im Keller fahren kann. Das tue ich als Erstes. Nach der Passage dreier Sicherheitstore steht meine Gutste sicher und trocken. Schön! Zimmer 605 hat fast alles, was ich heute noch brauche. Eins der tollsten Betten in denen ich je schlafen durfte, Klimaanlage, und Dusche. Was fehlt, ist ein 20 kW Baustellentrockner für meine Schuhe und Handschuhe. Obwohl die Regensachen wirklich sehr gut dicht gehalten haben. Die wichtigen Stellen am Körper sind gut geschützt, Auch die Kombi ist nicht naß.

Und nun? Die Schuhe hab ich ausgeschüttet und ans Fenster gestellt. Gummistiefel wären Klasse. Aber Sonntag? Mal schauen. Also nasse Schuhe wieder an und shopping.

Einkaufszettel: Gummistiefel, Zahnpasta, Zahnbürste, Süßigkeiten, Eis.

Ich nehme Sachen, die mir bekannt vorkommen, Sensodyne, Dr. Best . Die Zahnpasta heißt Pro Emalij . Das heißt Pro Zahnschmelz und erinnert mich an mein Emailletippel 🙂 . Eis? Yessssssss! Häagen Dasz. Problem ist, bei den großen Bechern ist kein Löffel dabei. Also nehme ich 4 kleine, denn da sind welche im Deckel. Süßigkeiten hole ich mir aus einer riesigen Wand mit den verschiedensten Köstlichkeiten. Cashewkerne mit weißer Schoki, Apfelstücken mit Vollmilchschoki und Zimt, sowie Himbeeren mit weißer Schoki. Wieder im Zimmer, schalte ich das erste Mal auf der ganzen Reise einen Fernseher selber an und gucke BBC World News. Dabei esse ich das Eis alles auf und werfe ein Paar Süßigkeiten ein. Das hab ich mir aber verdient 😉

Also „suhle“ ich mich ab halb 3 nachmittags im Bett rum. Zwischendurch schön warm duschen, chillen und …. chillen. Irgendwann schlafe ich total entspannt mit Mukke im Ohr ein. Wie kann man bei Transvision Vamp und VNV-Nation bloß einschlafen. Fragt jemand anderes! 🙂

Technisches:

Sichtprüfung rund ums Motorrad, Öl


Tag 20 und 21

18. und 19. 06. 2012 (1170km, in Worten: eintausendeinhundertsiebzig Kilometer ) Start: 6:30, Märsta, Stockholm, Nyköping, Norrköping, Linköping, Jönköping, Värnamo, Ljungby, Markaryd, Helsingborg, Malmö, Kopenhagen, Slagelse, Odense, Middelfart, Kolding, Padborg, Flensburg, Husum, Heide, Meldorf, Helse, Friedrichskoog Ankunft: 7:30

Wie der junge Morgen erwache ich und bin trotz der frühen Stunde schon fit. Im Erdgeschoß des Centers wartet seit 4 Uhr das Frühstück. In Nicki, Jeans und meinen stolz getragenen niegelnagelneuen Gummistiefeln 😉 hole ich Saft, Joghurt, Müsli und einen Apfel auf die Hand. Das reicht! Zurück in Zimmer 605 werden alle Sachen zusammengepackt und Ordnung gemacht.

Zahnpasta nicht vergessen? Check!

Nasse Socken, die aus dem Fenster baumeln geborgen? Check!

Alle Eisdosen im Papierkorb? Check!

Keine Süßigkeiten und Krümel mehr im Bett? Check!

Dann los!

Auschecken und durch die Sicherheitsschleusen wieder zurück zur AWO. Die noch dreiviertel nassen Schuhe hänge ich ins Ersatzrad und binde sie fest. Vielleicht trocknet der Fahrtwind sie ja. Nach weiteren 3 Sicherheitstüren wieder am Licht, tanken wir und stürzen uns volle Pulle mit 60 km/h 😉 ins Montagmorgengetümmel des Stockholmer Speckgürtels und der Hauptstadt.

Wenn man sich auf einer Reise befindet, bei der man an soviel Natur teilhaben durfte, sind Großstädte alle gleich „schön“ anzuschauen. Ausnahme für mich; Dresden. Vorsicht, Meinung des Autors ! Komisch ist aber schon, wenn man sich im Gespräch mit Leuten erklärt, scheint den meisten bei East Germany oder Saxony kein Licht aufzugehen. Sagt man aber „near Dresden“ weiß jeder, wo das ist und daß es eine wunderschöne Stadt ist. Ja sogar Görlitz ist bemerkenswerterweise selbst oberhalb des Polarkreises nicht unbekannt.

Wie dem auch sei, Stockholm wird also, wie die meisten anderen Großstädte, die ich während der Reise passiert habe und noch werde, einfach durchfahren. Ein „Stückchen“ weiter folgt eine Perle der Natur. Nein nicht das Bier! Der große Väternsee. Und er ist wirklich groß. Ich glaube der größte and dem wir vorbeigefahren sind. Zig Kilometer zieht die Straße am Ufer entlang. Bei tollstem „Nichtgummistiefelwetter“ mit blauem Himmel und Schäfchenwolken bei 20°C lassen wir uns, abgesehen von ein paar Päuschen, treiben. Heute läuft es richtig gut. Das Ausschlafen hat Wunder gewirkt. Mal sehen, wie weit wir kommen.

Helsingborg scheint ein gutes Ziel. In diese Richtung halte ich mich auch. Die Gedanken streichen schonmal ein paar hundert Kilometer voraus in Richtung Heimat. Alles geht heute wie von selbst und ich genieße nach dem Regen gestern jeden Kilometer mit Sonne. Selbst Porsches und riesige Volvos nehmen es mir nicht krumm, wenn sie auf der manchmal einspurigen Straße eine Weile hinter mir her „gurken“ müßen. Sie fahren einfach hinterher und wenns wieder zweispurig wird überholen sie gemächlich. Das ist hier eben so. Um Linköping herum säumen viele Flugzeuge den Straßenrand. Hier befinden sich die Saab – Flugzeugwerke.

Fast möchte sich ob des schönen Wetters meine Laune wieder eintrüben, hätte ich doch die Gummistiefel umsonst gekauft. Naja vor Regen schützen geht ja auch indirekt. Das Ziel des trockenbleibens wird auch bei Trockenheit erreicht 🙂 . Aber bald trübt es sich ein. Sie sollen ihre Chance bekommen, sich zu bewähren, denn bald regnet es richtig und lange.

Von einem Tankstop zum nächsten (ca. 200 km) schüttet es von oben und unten und ich gucke dauernd runter, wackle mit den warmen Zehen in trockenen Socken und freue mich wie ein kleines Kind, wie toll die Gummistiefel doch halten! Irgendwann ist auch die schönste Regenfahrt vorbei und wir nähern uns Helsingborg. Irgendwie ist die Luft noch nicht ganz raus heute, ein paar Kilometerchen könnten noch. Dann das Schild : „Malmö 40km“. Wie cool wäre das denn, die Brücke heute noch zu sehen, diesmal bei Sonnenuntergang. Soll es also weitergehen? JA ES SOLL !

Ab hier fahren wir die selbe Strecke wieder zurück. Bis Malmö kommt es uns wie ein Katzensprung vor und …. ach wenn wir schonmal da sind …. . Schon ist die Maut gezahlt und in der Abenddämmerung gehts hoch hinaus auf die Brücke. Bei ganz anderem Licht und mehr Wind. Herz, was willst du mehr? Natürlich das Meer !!! Geht klar, kommt sofort! DAS ist wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Aber hier wird auch noch gearbeitet. Kurz vor dem dunkel werden wird hier noch mit mehreren großen Maschinen am Straßenrand Gras gemäht. Zurück zu dem Emotionen. Da sehr wenig Verkehr ist, kann ich auch schön langsam fahren und den Blick übers Wasser fliegen lassen. Die Sonne will sich hinter den Wolken, die über Dänemark hängen zur Ruhe begeben und läßt für wenige Minuten noch ihr Abendrot auf dem Öresund frei. Ich muß einfach anhalten und DAS aufnehmen ( nicht auf Digikam sondern auf einen wesentlich zuverlässigeren Speicher: Optik: Auge, Speichermedium: Kortex. ).

Recht schnell kommt jedoch die Wirklichkeit wieder und ich realisiere, es ist 1. hoch, 2. viel zu hoch für meinen Geschmack und 3. recht windig, was meine auf einmal recht wackeligen Beine nicht gerade standfester macht. Schnell wieder zum Gespann und weiter! Was man auf der Hinreise nicht gesehen hat, da man ja noch am Festland in ein Tunnel fuhr ist, daß die Brücke scheinbar im Meer endet. Also das Tunnel beginnt auf einer Insel. Wenn man in der Dämmerung über die Brücke fährt, sieht es so aus, als ob man ins Wasser abtaucht. Rechts liegt die Insel Saltholm. Diese wurde aus dem Abraum der Brücken- und Tunnelbaustelle aufgeschüttet und ist Schutzgebiet.

Noch vor dem Tunnel überholt mich sehr zügig ein Harleyfahrer mit deutschem Kennzeichen. Schon zum zweiten Mal der selbe. Das Tunnel entlässt uns kurz vor Kopenhagen wieder aus seiner Obhut. Der Himmel sieht auf einmal gefährlich nach Gewitter aus und es weht ein kräftiger Wind von rechts. Ich muß gegensteuern. Das macht die Fahrt nicht leichter. An einer Tankstelle gibts einen schnellen Red Bull, und ein paar Minuten verschnaufen. Eigentlich wollte ich mich nach einer Bleibe umsehen, aber es ist nun schon nachts halb zwölf und so richtig will sich die Lust, ein Hotel zu suchen oder ein Zelt aufzubauen nicht einstellen.

Gerade hab ich meine „Stärkung“ hinter geschüttet und will wieder los. Da sehe ich einen Biker an seiner Kiste schrauben. Ach der Harleyfahrer wieder! Ich frage ob Hilfe gebraucht wird. Ölverschmiert kommt er unter seiner Karre hervorgekrochen und sein Gesicht sagt mir: Ja! Hilfe wird gebraucht! Er hat ein Ölleck. WOW, das gibts auch bei anderen Maschinen? Und Öllecks sehen ja auch immer gleich katastrophal aus. Der gesamte Motorblock und das Getriebe, sowie das Hinterrad sind sehr gut „geschmiert“. Es dauert eine Weile bis wir den wunden Punkt gefunden haben. Hinter dem Ölfilter schlängelt sich ein kleines Röhrchen hinauf am Tank vorbei und endet an einem superwichtigen „High Performance“ – Öldruckmanometer. Das Röhrchen hatte sich in das Ölfiltergehäuse verliebt und sich an ihm aufgerieben. So lief das Öl am Filter herunter, tropfte auf den Motorblock und das Getriebe, von wo es sich schön gleichmäßig auf den Reifen verteilte. Lösung: Röhrchen blind machen!

Kurzerhand wird das Röhrchen vom Besitzer mittels eines chinesischen Seitenschneiders abgezwickt. Naja der Seitenschneider sieht eher nur so aus. Richtig müßte es Seitenquetscher heißen. Jedenfalls wird das Röhrchen mehr oder weniger abgerissen, umgebördelt und soll jetzt dicht sein. Ich melde Bedenken an, und zitiere den Mopedprinz . Öl hat einen spitzen Kopf und ist flüssig wie Wasser, wenns warm ist! Das umbördeln klappt natürlich nicht. Jetzt darf ich meine Variante probieren. Am hinteren Zylinderfuß ist das Röhrchen mit einer kleinen zölligen Überwurfmutter befestigt. Ich umwickle den Anfang des Röhrchens fest mit Teflonband aus meinem Repertoire und schraube das ganze wieder fest.

Vergnügt steht der glatzköpfige Endfünfziger neben mir und meint: „Da steh ich mitten in der Nacht irgendwo in Dänemark an einer Tankstelle und gucke zu, wie mir so ein Simsontyp, der es im Gegenteil zu mir mit seinem Alteisen bis zum Kap und wieder zurück geschafft hat, meine Harley wieder heil macht.“ Wir lachen beide herzlich. Meine Flickschusterei hält. Wir sind begeistert. Er läd mich noch auf nen Kaffee ein. Kaffee lehne ich ab, also muß es noch ein Redbull sein 🙂 ( der zweite innerhalb einer halben Stunde, wenn das nicht hilft … ). Wir unterhalten uns noch ganz freundschaftlich. Er erzählt von seinem Zünspulendefekt mit langer Wartezeit unterwegs und daß ihn oberhalb von Trondheim schon gefroren hat. Er hatte dann keine Lust mehr und ist umgekehrt. Ich schmunzle in mich hinein als er dramatisch von „einstelligen Temperaturen“ erzählt. Seine teuren Goretex – Wanderschuhe waren auch schon mehrmals abgesoffen und seine Harleykombi sieht auch schicker aus, als sie wärmt. Diese Erkenntnisse hat er mittlerweile selbst gesammelt. Er möchte am liebsten bis nach Hause durchfahren, will aber wenigstens noch eine Fähre in Puttgarden erwischen. Ob nachts halb 2 noch etwas fährt, bezweifle ich und schlage meine, ihm unbekannte Route über die Brücke als Alternative vor. Das ist ihm zu weit und so trennen sich wenige Minuten später nach einer sehr freundschaftlichen Verabschiedung unsere Wege wieder.

tag21 1

Aufgeputscht durch 2 Redbull und ein paar leckere Schnitten Brot und Kaviar stelle ich den Autopilot ein und wir schweben im Tiefflug durch die wolkenverhangene dänische Nacht, als ob die Kilometer nur Luft wären.

Paul van Dyk mit seinem Album „out there and back“ (^^ hin und wieder zurück) in Endlosschleife begleitet mich so sicher, wie schon im Jahre 2000, als wir mit dem Auto nachts durchgefahren sind. Anja neben mir seelenruhig schlafend mit unserem ältesten im Bäuchel. … Memories pur …

Bei Durst wird getrunken, bei Hunger gegessen. Wenn getankt werden muß gibts rechtzeitig Benzin. Werden die Augen schwer gibts einen Schluck Redbull und 25 Liegestütze in voller Montur. Kein Bock anzuhalten. Kein Bock zu schlafen. Nur Bock auf AWO fahren. Die Nacht vergeht wie im Flug.

Der Morgentau senkt sich herab und es ist, als führe man durch unsichtbaren Regen. Alles wird klamm, die Luft wird frisch und ab und zu fröstelt es mich ein bisschen. Liegestütze sind hier wieder das Mittel der Wahl. Allein durch Dänemark sicher über 100 🙂 . Die Sonne wirft einen ersten Strahl über den Horizont. Ein unglaublicher Anblick, wenn die morgentliche Welt vom Himmel her in rosarote Tücher gehüllt wird und die Nebelschleier den Wiesen schmeicheln. Soeben fahre ich an einer Herde Kühe vorbei. Die ersten haben sich schon aufgerappelt und grasen gemächlich. Die Kleinen dürfen noch ein bisschen dösen. Das alles bei diesem Licht. Noch jetzt beim schreiben bekomme ich Gänsehaut, wenn ich mich erinnere.

Aber upps, was ist das? Ein Schild. Flensborg nur noch 40 km. So heimlich es nur geht, hat sich schon die deutsche Grenze herbeigeschlichen. Ein letztes Mal tanke ich in Dänemark und …. kanns kaum glauben, daß wir schon HIER sind.

Im Morgengrauen überqueren wir die Grenze und gerade denke ich an das letzte Mal, als wir 2000 mit Anja diese Grenze in dieser Richtung um fast dieselbe Uhrzeit passiert haben. Das erste was uns damals wie ein Hammer auf den Kopf daran erinnerte in D zu sein, ist die Tatsache, daß es gleich alle wieder total eilig haben. Genauso geht es mir wieder. Soeben von der Autobahn runter sehe ich, wie ein popeliger 1,4 er Polo mit seinen Scheinwerfern an meinem Auspuff klebt und am liebsten schieben möchte.

Wenn ich nur eine einzige Sache von der Reise aussuchen müßte, die ich behalten dürfte, so wäre meine Bitte, für mich etwas von der innerlichen und äußerlichen Ruhe hinüberretten zu können. Das war auch meine leise Hoffnung, aber man kann sich selbst auch in solchen 3 Wochen wie ich erleben durfte nicht so wandeln und verfällt leider wieder schnell in den selben Trott, wie vorher.

Ich versuche, gelassen zu bleiben und es gelingt mir auch ansatzweise. Du bringst mich jetzt auch nicht mehr aus meinem seit über 8000 km bewährten Konzept. Bei der nächsten unpassenden Möglichkeit macht er einen auf Schumi und verheizt mich als gäbe es kein Morgen! Soll ich jetzt beeindruckt sein? Keine Zeit, muß weiter meine letzten Marathonkilometer genießen. Aber wenn jemand fragt, wie man am besten erkennt, daß man sich in Deutschland befindet, so weiß ich spätestens jetzt, das ist das Fahrverhalten.

Mein Herz klopft. Wir sind jetzt 24 Stunden unterwegs und 26 auf den Beinen. Die 1000 km Marke ist gefallen. Genau 1103 km von halb 7 bis wieder halb 7. Jetzt würden wir zwei sogar fast für die Iron Butt Association taugen. Die Sonne, Husum und Heide fliegen vorbei. Kein Halten mehr. Marne. Friedrichskoog. Noch einmal tief durchatmen, Noch einmal Gas geben. Noch ein Kreisverkehr. Halb 8 und heute mit 1170km auf der Uhr biege ich beim großen Deichgaragenschild ein, ramme dieses Mal nicht den Gartenzaun und drehe den Zündschlüssel auf 0.

Geschafft. Kreis geschlossen!

Vor Freude lege ich mich ins Gras, liege ruhig mit geschlossenen Augen da, während die Sonnenstrahlen mein Gesicht wärmen und atme Seeluft. Wenn jetzt Schnee wäre, könnte man einen Schneeengel machen. So mache ich einen Grasengel und auch das fühlt sich gut an.

tag21 18

Romy kommt raus und wundert sich. AWO da, Bernde weg ? Es folgt ein herzlicher Empfang und nachdem Nick und die anderen aus den Federn geholt sind, gibts lecker Frühstück. Ich stehe Rede und Antwort. Nick überreicht mir den „Pokal für die weiteste Anreise nach Friedrichskoog, die je unternommen wurde“. Einmal mehr bin ich platt. Ich weiß nicht, ob es so rüberkommt angesichts meiner Müdigkeit, aber ich bin wirklich und ehrlich erfreut und gerührt. Es setzt wieder dieses unbeschreibliche Gefühl ein, wie ich es leider sonst kaum woanders, als auf dem Deich empfinde. Auf einmal haben auch alle anderen keinen Bock mehr auf irgendwas anderes als sitzen, chillen, schnacken und die Sonne die Nasenspitzen kitzeln zu lassen. Es folgt ein ganz liebes Telefonat mit Anja. Sie kann es nicht glauben, daß ich schon in Deutschland bin. Weit nach Mittag rappel ich mich hoch um 5m Luftlinie weiter erneut, diesmal aber liegend in die Traumwelt hinabzusteigen. 5 Minuten später werde ich wieder munter, aber es ist schon Abend.

Nick hat Kneipendiens. Es findet ein kleines Open Air Konzert hinter dem Deich statt und Erna braucht ihren Auslauf. Das Wasser ist wie immer weg, aber das stört überhaupt nicht. Das Deichgefühl setzt schlagartig ein und Tolkien kommt mir wieder in den Sinn. Nun würde ich mich eher zu den Hobbits als zu den Elben zählen, obwohl ich keine Haare an den Füßen habe. Trotzdem kann ich dem Elb mitfühlen, der seine erste Möwe schreien hört, nachdem er geweissagt bekam, er solle sich vor dem Schrei der Möwe hüten. Sonst würde er nie mehr Ruhe finden bis er ans Meer zurückkehre und es endlich für immer überquere. Ich könnte Stunden hier verbringen. Beim nochmal durchlesen klingt das alles schon sehr sentimental. Laßt mich doch. Nach so einer Strecke ist das erlaubt !

Technisches:

„Nicht Öffnen“ – Schraube zweimal locker gewesen … festgezogen, Kardan abgeschmiert, Lichtmaschinengehäuse gereinigt ( Wasser – Öl – Gemisch ), Hinterradbremse gereinigt, Öl


Tag 22

20.06.2012 (null km) Friedrichskoog

Ein Tag Urlaub in Friedrichskoog für die AWO und mich. Das können wir uns gut leisten, denn wir haben ja gut rausgearbeitet 😉

Was mir auffiel, als ich hier ankam, war der Geruch der Felder kurz vor der Reife. Das habe ich vermisst. Ich vermisse schnell zunehmend auch meine Familie und bin echt versucht, heim zu fahren. Nachmittags kommt Mario mit seiner „Schönen“ vorbei. Wir fahren noch bis nach Friedrichskoog – Spitze in Nicks „Bier Pinte Achtern Diek“ und chillen draußen vor der Bar bis Feierabend ist. Noch einige Vorbereitungen in der Garage für morgen. Alle sind schon in freudiger Erwartung ob der morgigen Abreise in Richtung Danewitz bei Bernau zum größten AWO und EMW – Treffen in Deutschland. Das sind nochmal ca. 500 km. Ich freue mich auch schon riesig, mal nicht alleine und dann noch in so guter Gesellschaft reisen zu dürfen. Doch erstmal gehts in die Kiste. Gute Nacht!


Tag 23

21.06.2012 (359 km) Start 9:30 Friedrichskoog, Nord-Ostsee-Kanal, Ludwigslust, Havelberg, Sandau an der Elbe

Romy+Nick mit AWOs, Andre und Leo im Auto mit AWO an Board, Mario mit AWO, Bernde mit „old Lady“

Nach Frühstück, Erna in die Ferien schicken und viel Schnack während der Vorbereitungen zum Start, gehts mit fröhlichem Geknatter bei tollem Sonnenwetter los in Richtung Danewitz. Bei ca 70 km/h pendeln wir uns ein, außer am N-O-K. Da wollens alle wissen. Volle Pulle brettern wir die Brücke hinauf , Romy führt das Rudel den Berg hoch an, alle halb liegend mit Kinn voran wegen der besseren Windschnittigkeit :-). Oben gelingt mir während der Fahrt ein ganz tolles Foto von Nick mit seinem metallic – orangenen Glitzerhelm. Andre und Leo fahren mit dem Transporter hinterher und genießen das Schauspiel.

Für Mario und Romy könnten es ruhig 10 km/h mehr sein, da ich aber um Nachsicht gebeten habe, halten wir uns an die 70. Unterwegs wird Ewi eingesammelt. Es folgen ein paar Stops, mal zum tanken, mal zum Schnacken. Ich schmeiß ne Runde Eis. Obwohl Kolonne fahren anders ist ( man muß mehr aufpassen ), genieße ich jeden Kilometer. Die Jungs bobbern voraus und machen ihre Späßchen. Romy entpuppt sich als der weltbeste Gleichmäßigkeitsfahrer in unserer Gruppe. Ihr muß ich nur blind folgen und alles ist gut. Ewi fährt hinter mir und Andre mit dem Transporter schirmt unseren Konvoi nach hinten ab. Kleinere Raucher – und Hinternerholungspausen für unsere „Don Johnsons“ auf ihren Feuerstühlen mit weniger als 1cm Federweg und nur einer Hand breit Polsterung auf dem Sitz müßen natürlich sein. In Havelberg sind alle ziemlich groggy. Flux noch was eingekauft für heute Abend und dann die letzten Kilometer bis Sandau an der Elbe, wo schon die „Little Boom Ranch“ auf uns wartet.

Dort machen wir Rast, um morgen den letzten „Katzensprung“ bis Danewitz zu tun. Abends gibt es lecker Gegrilltes und viel zu erzählen bei einem gediegenen Glas Whisky und Lagerfeuer. Andre und ich teilen die gleiche Leidenschaft für „Fishermans Friend – Mint“ und ich bekomme, weil meine Tüte in der Hosentasche immer so unschön aussieht eine Blechbüchse geschenkt. Obendrauf noch eine herzliche Umarmung mit den Worten: „Mensch ist das toll, daß du das geschafft hast.“ Er ist wirklich eine liebe Seele von Mensch. Das merke ich, obwohl wir uns erst einen Tag kennen. Mario kriegt von mir noch eine „geschmiert“. Schwedisches Brot mit Kaviar mache ich ihm noch zurecht. Keiner soll hungern :-). Unterdessen ist der Whisky alle und wir fallen ins Bett.


Tag 24

22.06.2012 (166 km) Sandau, Danewitz

Langen Nächten folgt meist ein langsames erwachen. So auch bei uns. Gegen 7:30 schälen sich nach und nach alle aus den Federn. Es wartet eine Dusche, belegte Brötchen und frischer Pfefferminztee ausm Jaaten 😉 . Öl auffüllen und los. Heute werde ich die letzte Schnapszahl meiner Reise „überfahren“. Irgendwo im schönen brandenburgischen wird die Zahl 8888.8 km fallen. Die Hühner sind gesattelt. Auf gehts! Good Bye Little Boom Ranch.

Kurz vor dem nächsten Tankstop fällt mein blöder Digitaltacho wieder aus, warum auch immer. Endlich, nach einigem rumprobieren bekomme ich ihn wieder zum laufen. Mittagessen gibt es in einem tollen Holzhaus für sensationell günstiges Geld. Für 38 € inklusive Kaffee, Kola und Eis werden alle satt. Das haut den skandinavische Preise gewohnten Fernreisenden fast um. Das geht auf mich und DANKE, daß wir so eine schöne Fahrt zusammen haben. In Perleberg auf dem Markt spüre ich live den Unterschied von Gruppe zu Einzelfahrer. Da für das Gespann kein Platz mehr bei den anderen ist, stelle ich mich an den Rand etwas abseits. Während Mario zur Apotheke flitzt, bekommen die anderen „wilden Jugendlichen mit ihren lauten Moppeds“ leicht verwirrte Blicke. Währenddessen spricht mich aber gleich ein älterer Herr an, daß ich mit seinem Jugendtraum unterwegs wäre. Die Klangkulisse bei unserer Abfahrt vom Markt ist (zumindestens für uns) auf jeden Fall erinnernswert.

Auf einem schick gepflasterten Marktplatz kurz vor Eberswalde darf Andre´s blau gelbe Grasbahn – AWO ans Licht. Ab hier also per Achse. Mit zweieinhalb Litern Tankinhalt ist mindestens noch ein Halt zum auffüllen nötig. Alle sind gespannt. Ein Kick und das Unikum mit Crosspelle und Springergabel erwacht zum Leben. Mindestens einer hier auf dem Platz ist high vom Sound, der Optik dem Sonnenlicht, dem Gedanken „alle zusammen hier“ oder allem auf einmal. Ein Gruppenfoto noch schnell und weiter gehts. Keiner macht mehr Sperenzchen. Ich habe den Eindruck, alle fiebern Danewitz entgegen.

Gegen nachmittag endet die Etappe mit der ersehnten Einfahrt in Danewitz. Die Begrüßung erhält die Prädikate „besonders wertvoll“ und „Balsam für die Seele“! Stellvertretend für die vielen von Freude und Anerkennung gezeichneten Gesichter ist mir besonders das Gesicht von Peter dem „Eisbär“ in Erinnerung geblieben, als er mit Romy und mir am Bierwagen steht. Er ist absolut selig und genau wie wir tiefenentspannt und muß all seine Kraft zusammen nehmen, um weiter filmen zu gehen und nicht für immer bei uns stehen zu bleiben. Die nächsten Stunden sind Genuß pur für meine weitgereiste Seele und das merkt man mir glaube ich auch an. Rene´ ist total hin und weg, daß wirs geschafft haben und erzählt mir so nebenbei, daß er meinen Antriebsstrang für „Forschungszwecke“ an sich nimmt und kostenlos regeneriert. Dieses Angebot haut mich ehrlich aus den Socken! So viele Kilometer bei einer derartigen Belastung in so kurzer Zeit hat noch keiner mit einem von ihm regenerierten Motor gefahren.

Viele interessante Gespräche später sitzen wir am Feuer und die Stunden vergehen wie Minuten. Es gibt noch ein ganz tolles Foto von Fränki, Romy, Rene´ und Wroebe. Romy bekommt Stereobeschallung. Fränki von links und die beiden anderen diskutieren immer lauter von rechts. Sie werden wohl noch Freunde werden 😉 . Der kleine Trinkwettbewerb, den der zwei meter Mopedprinz und die „kleine“ OmiK.rdan vom Zaun gebrochen haben endet sehr spät mit einem erstklassigen Unentschieden. Als der Morgen graut, bette ich mich ( wie schon fast Tradition in Danewitz ) irgendwo auf einer Bank zur Ruhe.


Tag 25

23.06.2012 Danewitz, Zoblitz

Nach einem Stündchen Schlaf werde ich sanft von den Erzählungen der Danewitzer „Wurstschnibbler“ geweckt. Raus aus den Federn! Langsam kommt Leben auf den Platz. Bei einem solchen Wetter werden heute sicher viele Gäste und Tagesbesucher mit ihren AWOs und EMWs kommen. Nach dem verregneten vorigen Jahr wünsche ich es dem Organisationsteam, daß sich immer mit soviel Herzblut in der Sache engagiert und so eine tolle Feier auf die Beine stellt. Lecker Frühstück gibts von der Danewitzer Feuerwehr die ( bis auf die Gurken 🙂 ) preiswert und sehr freundlich zu uns sind. Der Tag ist erfüllt von Motorräder gucken, erzählen, ausruhen, Benzingespräche, wieder ausruhen und einfach mit Bekannten und neu kennengelernten Leuten ungezwungen Spaß haben. Ab und zu kommt einer zu mir, fragt mich aus und drückt seine Hochachtung vor „unserer Leistung“ aus. Ich bin freudig überrascht und gerührt, wieviele Leute doch mitgefiebert haben, damit die Reise gut geht.

Nachmittag findet die Ausfahrt statt. Bis zum Highlight des Tages, dem „GS – Spezial“ auf einer Crossstrecke in der Nähe fahre ich mit. Und das lohnt sich echt. Heiko, Rene´ und ein paar andere zeigen eindrucksvoll, wie man eine AWO im Gelände bewegen kann. Unsere zwei „rennverrückten“ AWO-treiber , die sonst immer den Platz unsicher machen 😉 (sorry, wenn ich eure Namen vergessen hab) fahren auf Serien-AWOs mit und das echt nicht schlecht! Einer muß das Rennen vorzeitig beenden, weil die Hupe nicht mehr aus geht. Für Fahrer und Zuschauer ist die Veranstaltung ein voller Erfolg, wie man deutlich auf den Gesichtern sehen kann.

Trotz aller Zerstreuung drängt nun das Heimweh immer mehr in den Vordergrund. Auf dem Heimweg von der Crossstrecke tanken Micha und ich. Wir genehmigen uns noch ein Eis. Nachmittag gibts Bikerspiele und Geschicklichkeitsfahren. Wir chillen auf der Wiese und lassen noch bissl die Seele baumeln. Es gibt auch wieder Pokale zu verteilen. Dieses Mal fällt es schwer, den besten Umbau zu küren. Einige sehr super gemachte Unikate präsentieren sich von ihrer schönsten Seite.

Diesmal darf sich Ralles knallrote „Johnnie Walker“ – AWO mit Musikbox im Anhänger mit dem Pokal „schönster Umbau“ schmücken. Der Pokal für den „größten Haufen“ geht an die Kamenzer. Auch meine Strecke wird mit 9070 km als „längste Anreise“ anerkannt. Ich knie nieder, nachdem ich den Pokal überreicht bekomme. Für mich ein toller Moment, der mich sehr rührt. Noch ein paar letze Stunden ausruhen und quatschen mit Nick und Romy, Awonewbie und seinem Bruder, Rene´, Wroebe, Ekki und dann …. Ich muß los! … Halb acht packe ich meine Sachen zusammen und viertel neun verabschieden wir uns. Mir wird ganz schön mulmig, weil alle so herzlich zu mir sind und die Worte fallen etwas schwer, nicht nur mir…

DENN … das wahre Ziel gilt es noch zu erreichen! UND LOS! Ein letzter Winker und die finale Etappe beginnt. Wir lassen es wieder ruhig mit 60 bis 70 km/h angehen. Kurz vor Schluß soll doch nicht noch etwas kaputt gehen. Es folgt die schwierigste Etappe der Fahrt. Die Gedanken über die vergangenen 3 Wochen kreiseln wie verrückt im Kopf. Dazu kommt eine Bettschwere, wie ich sie die ganze Reise über kaum einmal hatte. Gefühlt muß ich alle 20 km anhalten und Liegestütze machen . Wie oft es wirklich war … keinen Schimmer.

In Roggosen verlasse ich die Autobahn und ab Rietschen bin ich wieder putzmunter. Die Vorfreude steigt in mir hoch und ich singe vor mich hin. Niesky: noch 15 km. Ich möchte Vollgas fahren, reiße mich aber zusammen. Es riecht verdammt gut nach Heimat. Kleinradmeritz: noch 5 km. Wir fahren an dem ersten Feldstück vorbei, wo ich dieses Jahr Wintergerste angebaut habe. Der Dachs, der auf dem Feld seit Jahren seinen Bau hat, läuft wackelnd vor mir auf der Straße und verschwindet zwischen den Halmen. In der nächsten Kurve wird der Klang plötzlich kerniger und ich realisiere, daß sich 2 km vor zu Hause noch das Innenleben meines Auspuffs verabschiedet hat. Gut, dann hören mich wenigstens alle, wenn ich ankomme.

Sonntagmorgen halb zwei biegen wir in die kleine Straße ein, die zum Hof führt. Langsam und total aufgeregt. Ich sehe Elis, unseren lieben Schäferhund verschlafen und ohne zu bellen durchs Tor binzeln. Sie erkennt mich, legt sich vor mir hin und fordert rückwirkend drei Wochen Streicheleinheiten am Stück ein. Ich stelle meine treue Reisegefährtin unter die großen Kastanien. Ein sanfter Klaps auf den Tank, ein leises „DANKE !“. Dann nehme ich das Rentierfell und den schmiedeeisernen Kerzenständer an mich und schleiche hinauf. Keiner entdeckt mich, bis ich direkt vor Anjas Bett stehe. Sie bemerkt mich nach einer Weile. Ich falle auf die Knie und … für Minuten sind keine Worte nötig … .

Danke für dein abermaliges „JA“ !

Dein Bernd

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Und hier der Link zum podcast, den mein Kumpel Simon mit mir eingespielt hat. Viel Spaß!

https://anchor.fm/einloeffelbutter/episodes/Bernd-Richter—wie-fhrt-man-mit-dem-AWO-Motorrad-ans-Nordkap-eusj81/a-a58j2om

2 Gedanken zu “🍀 Fram og tilbake. Mit der AWO ans Nordkap – 2012 🇳🇴

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